Zaniolo packt aus: von rom bis udine – die wahrheit über mourinho, totti und sein comeback
Nicolò Zaniolo sprintet wieder durch die Serie A, als hätte er nie Pause gemacht. Fünf Tore, ein Zehner-Trikot, ein Nationalteam-Ticket im Visier. Doch hinter den Zahlen steckt ein Mann, der sich selbst neu erfunden hat – und dabei über Mourinho, Totti und seine „Ragazzate“ spricht, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
„Ich war leichtsinnig, heute bin ich vater und vorbild“
Udine, 12. März, 7:26 Uhr. Im Trainingszentrum von Pozzo redet kein aufgeblasener Star, sondern ein 24-Jähriger, der weiß, wie schnell es bergab geht. Zwei Kreuzbandrisse, ein Mittelfußbruch, Medienprügel nach späten Nächten mit Moise Kean. „Ragazzate“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Verspätungen, dumme Sprüche – nicht mehr als das.“ Doch das reichte, um in Atalanta und Florenz als Bankdrücker zu enden.
Die Wende kam mit Sara, seiner mittlerweile Ehefrau, und dem Neugeborenen Leonardo. „Sie ist die Ruhe, ich bin das Feuer. Ohne sie stünde ich heute nicht hier.“ Auch deshalb griff er beim Gala-Trikot zur 17, statt zur Lieblings-22. „Ein Vater schrieb mir, sein Sohn war gerade an Krebs gestorben, der Junge trug 17. Ich habe es für ihn gewählt – und jedes Mal, wenn ich es anziehe, denke ich an ihn.“

Mourinho ist kein mythos, er schreibt noch heute
Kein Interview ohne José Mourinho. Zaniolo lacht, als die Frage kommt. „Maestro. Er schreibt mir noch immer, einfach so: ‚Weiter so, ragazzo.‘ Er behandelt dich wie einen Sohn, solange du läufst. Und er lügt nicht. Niemals.“ Die Conference-League-Medaille hängt zu Hause, „aber die gehört der ganzen Truppe, nicht nur mir. Wir haben sie uns Juli für Juli erarbeitet, vom Trabzonspok-Hinspiel bis zur Finalexplosion.“
Über Totti schwärmt er wie ein Jugendlicher. „Er bleibt der größte Italiener mit der 10. Punkt. Kein Marketing, keine Show – einfach Totti.“ Dass er selbst einmal mit der 22 auflief, war Hommage an Kaká. „Aber Francesco ist Francesco. Wenn er anruft, nehme ich ab, egal, was ich gerade mache.“

Udine als letzte bretter, die die welt bedeuten
Im Juni wollte ihn keiner, der Markt war leer. Dann kam Udinese, Pozzo, Nani. „Sie suchten einen Thauvin-Ersatz, ich suchte Menschen, die an mich glauben. Hier bin ich kein Einkauf, ich bin Teil eines Projekts.“ Die Ablöse: 10 Millionen. Kein Problem, sagt Zaniolo, „wenn wir die Klasse halten, zahlt sich das für alle aus.“
Sportlich hat er sich neu justiert: aus Flügel-Explosivling wurde seconda punta, der zwischen die Linien tuckert. „Früher war ich Schnelligkeit, heute ist es Kopf. Ich serviere, ich decke, ich treffe – und ich gewinne.“ Trainer Runjaic liefert schonungslose Analysen. „Lieber ein hässliches Foul ansprechen als ein schönes Kompliment erfinden. Genau mein Stil.“

Juve kommt – und mit ihr die frage nach dem azzurro
Am Samstag gastiert Juventus in Friaul. Zaniolo spielt sich in die Lücke, die Spalletti im offensiven Mittelfeld hat. „Ich bin bereit, Conte hat mich schon einmal nominiert. Wenn der Telefon klingelt, juble ich. Wenn nicht, arbeite ich weiter. Mehr kann ich nicht tun.“
Die Statistik spricht für ihn: 1.190 Minuten, fünf Tore, 2,3 Schlüsselpässe pro 90 Minuten – seine beste Quote seit der Roma-Zeit. Die Knie sind stabil, das Kind schläft durch, die Frau lacht wieder. „Ich bin kein Bad Boy mehr, ich bin ein Dad, der kickt. Und der weiß, dass die nächste Verletzung nur einen Tritt entfernt ist.“
Er steht auf, lässt den Blick über das Trainingsgelände schweifen. „Ich habe zwei Häuser in Rom, irgendwann ziehe ich da wieder ein. Aber erst schaffe ich hier etwas. Udine ist mein Neuanfang – und vielleicht der letzte, den ich kriege.“
