Xhaka schmettert testspiel-klischee: «für mich ist das krieg»
Basel ist rot. Nicht nur wegen des Stadions, sondern weil Granit Xhaka heute Abend die deutsche Maschine zerreißen will. 34'316 Fans, ausverkauft, 20:45 Uhr, St. Jakob-Park – und keiner redet mehr von Freundschaft.
Murat yakin legt die messlatte auf weltniveau
«Wir wollen die beste WM aller Zeiten spielen», sagt der Schweizer Coach, als wäre es eine Verkehrsdurchsage. Kein Zufallsprodukt, kein Lippenbekenntnis. Dahinter steht ein Kader, der seit 365 Tagen nicht verloren hat, ein Quali-Zwischenrundenzweiter, der sich selbst als Turniermannschaft versteht. Yakin will nicht mehr nur überleben, er will der Gruppendominator werden, bevor das Turnier in Katar beginnt.
Die Taktik ist längst kein Geheimnis mehr. Denis Zakaria, sonst Motor im Zentrum, rutsicht morgen in die Innenverteidigung. Monaco-Kapitän, Ballgewinner, Spieleröffner – jetzt auch Libero. Yakin: «Ich traue ihm diese Position zu, weil er sie schon in der Kabine spielt.» Ein 3-4-1-2, das bei Ballgewinn in ein 4-2-3-1 kippt, Zakaria als variabler Kettenhebel gegen deutsche Halbraumautomaten wie Musiala und Gündogan.

Xhaka kehrt zurück – mit feuer und achillessehne
Die Achillessehne war gerissen, die Welt stand still. «Erste muskuläre Verletzung meiner Karriere», sagt er und lacht nicht. Drei Wochen Zwangspause, seine längste seit 2014. «Ich habe das grössere Bild gesehen – und es ist rot-weiss.» Heute darf er wieder dirigieren, in seiner Stadt, gegen den Nachbarn, der ihn nie schlagen konnte, wenn er dabei war: vier Duelle, vier Mal ungeschlagen, 5:3 von 2012 inklusive.
Doch der 29-Jährige warnt: «Favorit sind wir definitiv nicht.» Respekt vor der deutschen Turnier-DNA, aber kein Gramm Angst. «Wenn man für die eigene Flagge spielt, ist das kein Testspiel, das ist Krieg.» Ein Satz, der morgen in jedem Schweizer Wohnzimmer halb Europa erschallen wird.

Die zahl, die alles sagt: 34'316
So viele haben sich Ticket und Stimme gesichert. Die Hälfte wird schon vor dem Anpfiff heiser sein. Denn sie wissen: Gewinnt die Nati, ist das nicht nur ein Sieg gegen den Nachbarn, sondern die Lizenz, bei der WM nicht mehr nur mitzuspielen, sondern mitzubestimmen. Die Schweiz will nicht mehr das liebe Underdog, sondern den Gashahn aufdrehen – und Deutschland ist nur der erste Prüfstein.
