Würzburg siegt im elfmeter-krimi: pokal-glanz statt 1860-glück

Der FC Würzburger Kickers hat dem TSV 1860 München im Finale des Bayerischen Landespokals die Show gestohlen – und das, obwohl die Löwen 89 Minuten lang alles unter Kontrolle hatten. Ein spätes Bonga-Tor zerriss die Münchner Fassade, ehe die Gastgeber im Elfmeterschießen die Ruhe behielten und ihren vierten Pokalsieg feiern konnten.

Sigurd haugen war der held – bis zur 90. minute

Mit 5.000 Stimmen im Rücken eröffneten die Sechziger das Spiel wie ein Boxer, der direkt zum K.o. schlagen will. Sigurd Haugen, Maske unterm Kinn, wuchtete eine Flanke von Justin Steinkötter per Kopf unter die Latte – 1:0 in der 38. Minute, völlig verdient. Die Kickers wirkten einen Moment lang wie eingefroren, doch der Eisbrecher kam ausgerechnet in der Nachspielzeit: Tarsis Bonga stolperte über einen abprallenden Ball, schoss ab, traf abgefälscht – 1:1, Arena am Dallenberg wollte nicht mehr ruhig sitzen.

Die Verlängerung verstrich ohne Treffer, aber nicht ohne Herzinfarkt: Samuel Althaus traf nur den Pfosten, Liam Omore zirkelte einen Fallrückzieher knapp drüber. Dann das Los: sieben Schützen, ein Keeper, null Raum für Fehler. Nach sieben verwandelten Versucen blieb 1860-Kapitän Hobsch an Johann Hipper hängen; Sekunden später verwandelte Omore eiskalt zum 5:4.

Ein triumph mit ansage – und ein saisonende mit fragezeichen

Ein triumph mit ansage – und ein saisonende mit fragezeichen

Für Würzburg ist der Pokal nicht nur Silber in der Vitrine, sondern auch Ticket zur DFB-Pokal-Hauptrunde. Trainer Danny Schwarz hatte vor Wochen prophezeit: „Wenn wir unseren Flow finden, sind wir schwer zu stoppen.“ Der Flow kam spät, aber er kam. Die Kickers haben nun neben der Relegation gegen den FC Ingolstadt noch ein zweites Finale vor der Brust – das für die dritte Liga.

Bei 1860 dagegen riecht es nach Leere. Die Löwen verabschieden sich mit leeren Händen aus einer Saison, die sie lange als Aufstiegskandidaten begannen. Sportchef Günther Gorenzel wird den Kader durchpürieren müssen, sonst droht auch 2027 wieder nur ein Platz jenseits der Aufstiegsränge. Die Fans sangen bis zuletzt, doch als Jakobs letzter Elfmeter am Außennetz landete, verstummte selbst die hartnäckigste Stimme.

Am Dallenberg tobte danach eine Party, die sich bis in die frühen Morgenstunden zog. Die Kickers? Die haben jetzt zwei Wochen, um sich auf den FC Ingolstadt einzuschwören. Die Löwen? Die haben den ganzen Sommer, um die Frage zu beantworten, wie ein so dominantes Spiel in 90 Sekunden entgleiten kann. Die Antwort wird wehtun – aber sie wird kommen.