Wu yize stürzt shaun murphy im krimi-finale und schreibt snooker-geschichte
18:17 – mehr Dramatik geht nicht. Der 22-jährige Chinese Wu Yize hat im Crucible Theatre den fünffachen Weltmeister Shaun Murphy im Deciding Frame niedergekämpft und krönt sich zum zweiten asiatischenSnooker-Weltmeister überhaupt. Mit 21 Jahren und 202 Tagen schiebt er sich auf Platz zwei der ewigen Jung-Liste, nur hinter Stephen Hendry.
Murphys albtraum wird wahr – und er ahnte es
„Ich hasse es, Recht zu behalten“, murmelte Murphy nach dem letzten Ball. Bereits im Herbst hatte er prophezeit: „Dieser Junge wird Weltmeister.“ Die Voraussage erwies sich als Fluch. Murphy, selbst 2005 mit 22 Jahren und 265 Tagen jüngster Champion seiner Zeit, musste mit ansehen, wie sein eigener Rekord um 63 Tage fiel. Der Brite warf sich mit 64er- und 128er-Breaks in die Schlacht, doch jedes Mal antwortete Wu mit eiskaltem Nervenkitt.
Die Partie schwappte wie ein Pendel. 3:0 – Wu startet wie ein Komet. Dann fünf Frames Murphy, 6:5 zur Pause. Am Abend tauschten sie sich Break um Break, Safety um Safety, bis beim 17:17 die Lichter dröhnten. Letzte Rote, letzte Farbe. Wu spielte sich mit einem Grün-Braun-Blau-Kombo die Taschen frei und versenkte den letzten Ball um 00:47 Uhr Ortszeit. 486 Sekunden reiner Herzinfarkt.

China erobert den tisch – und will mehr
Mit Zhao Xintong 2023 und Wu Yize 2024 steht fest: Die Insel-Hegemonie ist Geschichte. Laut World Snooker stammen 40 Prozent der Top-100-Spieler mittlerweile aus Asien, die Hälfte davon aus China. Die Zahlen sprechen für sich: 120 Millionen Zuschauer verfolgten lstat allein das Finale auf chinesischen Plattformen – mehr als dreimal so viele wie in Großbritannien. Wu nahm die Trophäe entgegen und sagte nur: „Ich bringe sie nach Hause, aber nächstes Jahr hole ich eine zweite.“
Für die Veranstalter bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Ohne Ronnie O’Sullivan, ohne Judd Trump, ohne chinesische Fans live im Saal verpasste das Crucible erstmals seit 1989 die Millionen-Marke an Ticketeinnahmen. Die Zukunft des Turniers steht auf dem Prüfstand – und Wu Yize hält bereits den Stift, um die Bewerbung für Shanghai 2026 zu unterschreiben. Die Revolution ist nicht mehr aufzuhalten.
