Wollitz plant ultimatum gegen rassismus: spielabbruch statt statement

Claus-Dieter Wollitz hat die Reißleine gezogen. Der Trainer des Drittligisten Energie Cottbus kündigt für den nächsten rassistischen Vorfall im deutschen Fußball einen sofortigen Spielabbruch an – egal, ob seine Mannschaft dafür bestraft wird.

„Beim nächsten Mal gehen wir runter. Punkt. Kein Weiterspielen, keine zweite Chance für die Täter“, sagt Wollitz im Gespräch mit der Sport Bild. Sein Appell richtet sich an alle Beteiligten: Schiedsrichter, Verbände, Medien. „Wir brauchen ein Signal, das jeder versteht. Kein Papier-Tiger, keine warmen Worte. Ein klares: Hier endet der Spaß.“

Der moment, als butler beschimpft wurde

Der Auslöser ist ein November-Abend in der Münchner Grünwalder Straße. Energie-Profi Justin Butler wird beim Auswärtsspiel bei 1860 München rassistisch beschimpft. Die Münchner entschuldigen sich postwendend, das Spiel wird nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt. Für Wollitz ein Fehler. „Am nächsten Morgen habe ich den Jungs gesagt: Das war’s. Nächstes Mal verlassen wir das Feld. Ich übernehme jede Strafe, jeden Punktabzug. Aber wir spielen nicht mit Leuten, die Menschen wegen ihrer Hautfarbe beschimpfen.“

Der Drittliga-Coach spielt damit aufs Ganze. Sein Vorschlag: Beide Teams gehen bei rassistischen Beleidigungen sofort in die Kabine. Kein Tor, keine Taktik, kein TV-Termin wäre wichtiger als dieser Akt der Solidarität. „Die UEFA hat ihren Drei-Stufen-Plan. Ich habe meinen Ein-Stufen-Plan: Null Toleranz.“

Warum der dfb-apparat zögert

Warum der dfb-apparat zögert

Die deutschen Stadien sind voll von Anti-Rassismus-Bannern, die Reden der Funktionäre klingen nach Echolot. Doch wenn es brenzlig wird, greift oft nur der Stufenplan der UEFA: erste Unterbrechung, zweite Unterbrechung, eventuell Abbruch. Wollitz will dieses Zögern beenden. „Wir reden seit Jahren über Diversity und schalten dann wieder um auf Taktik-Kanal. Das reicht nicht mehr.“

Energie Cottbus steht im Tabellenmittelfeld, hat aber ein Megaphon in der Hand. Wollitz weiß, dass sein Club mit diesem Vorstoß isoliert dastehen könnte. „Ist mir egal. Wenn wir als erste Mannschaft Punkte verlieren, weil wir gegen Rassismus protestieren, dann ist das ein Sieg für die Menschlichkeit.“

Die nächste Gelegenheit kommt schneller, als ihm lieb ist. In den Kurven brodelt es, die Anfeindungen werden lauter, die Netzwerke schneller. Wollitz hat seine Marschroute gezeichnet. „Ich will nicht, dass Justin Butler oder irgendein anderer Profi wieder alleine dasteht. Ich will, dass die Täter merken: Ihr seid die Ausnahme, nicht wir.“

Der Countdown läuft. Nächstes Mal pfeift nicht der Schiri – dann pfeift Wollitz. Und Cottbus geht. Ob mit oder ohne Punkt, das ist ihm mittlerweile schnuppe.