Wolfsburgs krimi in berlin: minge wird zur torhüterin und rettet den punkt

3:3 in Unterzahl, ein Eigentor, eine Feldspielerin zwischen den Pfosten – und trotzdem jubelt Wolfsburg. Die Frauen des VfL haben kurz vor dem Viertelfinale in Lyon ein Drama in Berlin überstanden, das selbst Stephan Lerch sprachlos machte.

Der Coach sprach von einem „sehr wilden Spiel“, und das war noch untertrieben. Nach 90 Minuten plus Nachschlag stand Camilla Küver als Held parat – nicht als Torschützin, sondern als Retterin in der 95. Minute. Ihr Ausgleich besiegelte ein Remis, das sich anhört wie ein Scherz, aber Realität ist.

Der moment, als alles kippte

Die Wolfsburgerinnen lagen 1:3 zurück, hatten ihre Torfrau Nele Bauereisen verloren – weggerotet, nachdem sie Berlinerin Jenny Hipp zu Fall gebracht hatte. Drei Wechsel waren verbraucht, also schlüpfte Außenverteidigerin Sveindís Jane Jónsdóttir ins Trikot mit der Nummer 1. Doch es war Joelle Wedemeyer, die sich improvisiert als Letzte Frau anbot. Die eigentliche Reaktion? Nationalspielerin Lena Minge nahm die Handschuhe an. Ein Schachzug, der fast schon filmreif ist.

Minge stand zwischen den Pfosten, weil Ersatz nicht mehr erlaubt war. Berlin probierte es mit Distanzschüssen, doch die Innenverteidigerin parierte souverän. Dann schlug sie den Ball nach vorne, Paulina Krumbiegel eroberte, legte quer – und Küver schoss zum 3:3. Die Uhr zeigte 90.+5.

Bayern kann jetzt schon feiern

Bayern kann jetzt schon feiern

Der Punkt reicht nicht, um die Meisterschaft offen zu halten. Der Rückstand auf FC Bayern München beträgt weiter 13 Zähler, den Münchenerinnen fehlt nur noch ein Sieg zur erneuten Titelverteidigung. Für Wolfsburg geht es am Mittwoch in Lyon um den Einzug ins Halbfinale der Champions League – mit einer Torhüterin, die eigentlich Stürmerin ist.

Die Frage ist nicht mehr, ob die Bundesliga verloren ist. Die Frage ist, wie viel Selbstvertrauen dieses 3:3 mitnimmt. Denn wenn eine Mannschaft in Unterzahl und mit Feldspielerin im Tor noch einen Punkt rettet, dann spricht das Bände über Moral. Und manchmal zählt im Fußball genau das mehr als Tabellenplätze.