Wolfsburg wirft bauer raus – hecking muss die rettung schaffen

Blackout im Volkswagen-Kessel: Nach dem 1:2 gegen den HSV und der sechsten Niederlage in sieben Spielen hat der VfL Wolfsburg Cheftrainer Daniel Bauer sofort freigestellt. Die Entscheidung fiel noch in der Nacht, um 19.15 Uhr verließ der 43-Jährige das Stadion – und wusste, dass er nicht mehr zurückkommt.

Die pyrotechnik war erst der anfang

Schon während des Spiels hatten Anhänger schwarze Rauchsäulen gezündet, die Botschaft war eindeutig: Bauer raus. Nach Abpfiff eskalierte die Stimmung, die Krisensitzung folgte auf dem Fuß. Geschäftsführer Sport Peter Christiansen, Sportdirektor Pirmin Schwegler und Aufsichtsrat Diego Benaglio berieten bis in die Nacht – das Urteil: Bauer muss weg, Christiansen folgt. Auch der 51-Jährige muss seinen Posten räumen, noch vor Weihnachten.

Die Wahl fiel auf Dieter Hecking, 61, Pokalsieger von 2015 mit dem VfL. Er unterschrieb vorläufig bis Saisonende, mit Option auf Verlängerung. „Wir brauchen jetzt Ruhe und eine klare Handschrift“, sagt Schwegler. Ruhe? Die war zuletzt Mangelware. Bauer selbst hatte vor einer Woche noch erklärt, die Klub-Kultur sei „nicht bundesligatauglich“. Ein Satz, der intern für Empörung sorgte – und jetzt nachhinten losgeht.

Der zweite trainer im selben jahr

Der zweite trainer im selben jahr

Bereits Anfang November musste Paul Simonis gehen, nun folgt Bauer. Beide hatten den Auftrag, den VfL zu stabilisieren, beide scheiterten. Die Statistik ist brutal: nur 13 Punkte aus 15 Spielen, Platz 17, direkter Abstiegsrang. Der Kader, zusammengestellt von Christiansen, wirkte improvisiert: viele Leihgeschäfte, wenig Struktur, keine Führungsspieler.

Hecking kennt die Hausaufgabe: 2015 holte er mit den Wölfen den DFB-Pokal, 2017 wurde er trotz Europapokal-Achtelfinale entlassen. Nun soll der alte Haudegen den Abstieg verhindern. Er nimmt die Mannschaft bereits am Montag das erste Mal in Angriff, am Samstag wartet schon Leipzig. Die Zeit drückt, die Tabelle auch.

Die Fans reagieren zwiegespalten: Einige feiern Hecking als Retter, andere wittern das nächste Rettungs-Projekt ohne Konzept. Doch die Zahlen lügen nicht: Der VfL hat nur ein Heimspiel in den letzten acht Partien gewonnen, die Tordifferenz ist die zweit-schlechteste der Liga. Wer jetzt nicht zulegt, spielt nächste Saison im Niemandsland.

Hecking selbst bleibt nüchtern: „Ich weiß, was mich erwartet. Aber ich kenne auch die Stärken dieses Klubs.“ Ob die noch reichen, wird sich zeigen. Klar ist nur: Die nächsten fünf Spiele entscheiden über den Klassenverbleib – und über die Zukunft des gesamten Vereins. Ein Pokal-Held gegen den Abstieg, das ist kein Märchen, sondern Realität in Wolfsburg.