Wolfsburg muss auf müller verzichten – hecking muss gleich umbauen
Mit dem Rücken zur Wand und ohne seinen Ersatztorwart. Der VfL Wolfsburg muss am Samstag in Hoffenheim nicht nur auf Marius Müller verzichten, sondern auch auf jede Vorstellung von Ruhe. Das DFB-Sportgericht sperrte den 32-Jährigen für ein Pflichtspiel, nachdem er gegen den HSV nach dem Schlusspfiff Rot gesehen hatte. Die Szene war typisch für den ganzen Abend: ein Verein, der sich selbst auffrisst.
Die Sperre trifft den Klub an einem Punkt, an dem jeder Fehler nachhallt. Wolfsburg ist Tabellen-17., der Abstieg kein Schreckensszenario mehr, sondern reale Bedrohung. Dieter Hecking, der am Sonntag das Trainerteam übernahm, bekommt die nächste Baustelle serviert – und das, bevor er überhaupt das erste Mal an der Seitenlinie stand.

Heckings rückkehr wird zur notoperation
Der 61-Jährige kennt die Arena in Hoffenheim gut. 2016 führte er Wolfsburg noch zu Platz zwei, damals mit Champions-League-Ambitionen. Jetzt geht es ums nackte Überleben. Ohne Müller zwischen den Pfosten rückt Niklas Klinger ins Blickfeld, ein Keeper mit gerade einmal 14 Bundesliga-Minuten auf der Uhr. Die Abwehr hinter ihm kassierte in den letzten drei Spielen acht Gegentore – Zahlen, die lauter schreien als jede Pressekonferenz.
Die Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Auf Twitter kursieren Memes, die Müller beim Verlassen des Platzes zeigen – untermalt mit dem Satz „So schnell wie der VfL aus der Liga fliegt“. Der Humor ist bitter, aber er sagt viel über die Stimmung aus. Die Mannschaft wirkt wie ein Puzzle, bei dem die Eckstücke fehlen.
Doch Hecking ist kein Mann für große Reden. In seiner ersten Trainingseinheit setzte er auf kleine Gruppen, kurze Distanzen, viel Ballkontakt. Die Botschaft: Erst die Grundlagen reparieren, dann träumen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Die TSG Hoffenheim wartet mit der drittbesten Heimbilanz der Liga auf – und mit Andrej Kramaric, der gegen Wolfsburg schon sieben Mal traf.
Die Uhr tickt. Hecking hat fünf Spiele Zeit, den Abstieg zu verhindern. Die Sperre gegen Müller ist nur ein Nebenschauplatz, aber sie verstärkt das Gefühl, dass beim VfL derzeit nichts läuft, ohne dass es komplizierter wird. Am Samstag geht es los. Und wenn sich nichts bewegt, bewegt sich bald der ganze Klub Richtung 2. Liga.
