Wolfsburg kocht: rote karte, pyro-alarm, absturz in die 2. liga
Der VfL Wolfsburg rattert mit offenen Augen Richtung zweite Liga. Die 1:2-Heimpleite gegen den HSV war der achte Pflichtspiel-Flop in Serie, das Stadion ein Pulverfass. Marius Müller flog vom Bankdöschen direkt in den Sperren-Ordner, auf dem Rasen brannten bengalische Feuer und die Fans zündelten sich mit Bengalos eine eigene Hölle.
Die szene, die alles entfachte
Schiedsrichter Florian Exner hatte den Pfiff kaum ausgesprochen, da rasten sich schon zwölf Körper an der Mittellinie. Hamburg Co-Trainer Richard Krohn stand plötzlich im Zentrum, umringt von drei wolfsburger Reservekräften. „Ich sehe meinen Kollegen in Bedrängnis, da zögere ich keine Sekunde“, sagt HSV-Mittelfeld-Routinier Nicolai Remberg, der als Erster einrückte. „Klar gehe ich rein, meine Jungs lasse ich nie allein.“ Was genau die verbalen Auslöser waren, behalten die Protagonisten unter sich. „Da wird alles gesagt, jugendfrei ist anders“, grinst Remberg, ohne zu zitieren.
Die Rote Karte gegen Müller war die logische Konsequenz, weil der Ersatztorhüter sich aggressiv in den Tumult warf. Für den VfL ein weiterer Imageschaden, für die Statistik die nächste Nullnummer: sechs Ligadefeats seit Januar, erst zwölf Punkte aus 13 Spielen. Der Abstiegsrelegationsplatz ist nur noch zwei Zähler entfernt, die Talfahrt besitzt eine Eigendynamik, die selbst die Vereinsführung ratlos macht.

Pyro, polizei, pure verzweiflung
Parallel zur Rudelbildung eskalierte die Südkurve. Bengalos flogen auf den Rasen, ein mittelgroßer Stapel Sicherheitsmaterial geriet in Brand. Ordner und Polizei stürmten den Innenraum, löschten, räumten, sicherten. Ein Platzsturm blieb aus, doch der Gestank nach verbranntem Plastik und der Geschmack von Niederlage hing noch Minuten über dem Stadion. „Das gehört irgendwo zum Fußball“, versuchte Remberg zu relativieren – eine Sentenz, die in Wolfsburg gerade niemand mehr hören will.
Trainer-Assistent Krohn gestikulierte nach dem Spiel noch minutenlang an der Seitenlinie, als wolle er die eigene Mannschaft in Sicherheit bugsieren. Dabei war es der Gegner, der sich in der Kabine sicher fühlte. Hamburg feiert den zweiten Sieg in Folge, rückt auf Relegationsplatz zwei vorbei – an eben jenem VfL, der sich selbst zerlegt.
Die kommenden Wochen sind pure Zitterpartie. Mit Mainz, Freiburg und Leverkusen warten drei der formstärksten Teams auf die Wölfe. Wenn der Knoten dort nicht platzt, endet die Bundesliga-Märchenstory des VfL nach 27 Jahren mit einem historischen Knall. Die Rote Karte war erst der Auftakt, das eigentlicheFiasko steht noch an.
