Wolff raus, ludwig rein: dhb-team startet wm-jagd ohne em-helden

Andreas Wolff bleibt zu Hause. Der EM-Superstar räumt sein Tor, damit David Späth und Lasse Ludwig endlich Länderspielluft schnuppern. Der Deutsche Handball Bund (DHB) nominierte am Freitag seinen 17-Mann-Kader für die Doppelbegegnung gegen Rekordafrikameister Ägypten – und schickt damit ein Signal: Die Vorbereitung auf die Heim-WM 2027 beginnt jetzt, mit oder ohne gestrige Helden.

Gislason rotiert, weil er muss

Alfred Gislason redet von „Nuancen“, meint aber: Der Kader muss reifen. Wolff, ins All-Star-Team der Europameisterschaft gewählt, bekommt eine bewusste Auszeit. Dahinter steckt kein Formtief, sondern ein Plan. „Wir wollen zwei Torhüter auf WM-Niveau, nicht nur einen“, sagt der Bundestrainer. Späth steht seit Monaten in der Bundesliga vorne, Ludwig ist mit 22 Jahren das größte Talent zwischen den Pfosten. Gegen Ägypten bekommt einer von ihnen sein Debüt – oder beide. Dahinter lauert schon der nächste Wechsel: Nils Lichtlein (Füchse Berlin) ist verletzt raus, Tim Freihöfer rutscht nach links, wo Rune Dahmke sonst den Kreislauf stabilisiert. Ein kleiner Ruck, der große Folgen haben kann.

Die Ägypter sind kein Testspiel-Gegner. Sie kommen mit Mohamed Sanad und Ali Zein, zwei Rückraumkanonen, die selbst Dänemark ins Schwitzen gebracht haben. „Keine Mannschaft schlägt so schnell von außen zu“, warnt Gislason. Für Deutschland ist das Duell ein Gradmesser: Wer sich hier versteckt, fliegt im Januar 2027 aus der Arena. Die Westfalenhalle in Dortmund ist am 19. März ausverkauft, 13.000 Fans wollen sehen, ob Johannes Golla seine EM-Form mitnimmt. Drei Tage später geht es in Bremen weiter – 300 Tage vor dem WM-Auftakt. Jeder Pass, jeder Paradenentscheid zählt fortan doppelt.

Ingo Meckes, Sportvorstand des DHB, formuliert es hart: „Ab sofort zahlt alles auf den 13. Januar ein.“ Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Silber allein kein Ticket für WM-Triumphe ist. Die letzten großen Titel liegen acht Jahre zurück. Seitdem klingt jeder Erfolg wie ein Strohfeuer – schön, aber schnell verweht. Gegen Ägypten soll neue Kontinuitärt entstehen. Mit oder ohne Wolff.