Andreas wolff legt die torhüter-krone nieder – ein debütant springt ein

Andreas Wolff hat fertig. Der EM-Held und All-Star-Keeper verzichtet freiwillig auf die beiden Länderspiele gegen Ägypten, und das ist kein Pünktchen auf dem i, sondern ein Ausrufezeichen. Alfred Gislason lässt seinen Weltklasse-Torhüter zu Hause, um David Späth und Lasse Ludwig echte Spielminuten zu garantieren. Ludwig, 22, steht vor seinem ersten Einsatz im DHB-Trikot.

Gislason nutzt den em-kader als startblock

Von den 17 Nominierten waren 15 in der Silber-Mannschaft dabei, die im Januar Europas Handball-Elite ärgerte. Die Logik des Coaches: Wer bewiesen hat, dass er international bestehen kann, bekommt Vertrauen. Wer noch nicht bewiesen hat, dass er international bestehen kann, bekommt seine Chance. So einfach ist das. Tim Freihöfer rückt für Rune Dahmke nach links außen, Nils Lichtlein fehlt verletzt.

Die Partien am 19. März in Dortmund und drei Tage später in Bremen sind keine Testspiele im klassischen Sinn. Sie sind der Countdown zur Heim-WM 2027 – exakt 300 Tage vor dem Eröffnungsspiel. „Ab sofort zahlt alles, was wir tun, auf den kommenden Januar ein“, sagt Ingo Meckes, Sportvorstand des DHB. Jeder Pass, jede Abwehr, jede Parade wird gegen Ägypten gewertet, als stünde schon der WM-Titel auf dem Spiel.

Ägypten ist der härteste prüfstein nach dänemark und frankreich

Ägypten ist der härteste prüfstein nach dänemark und frankreich

Gislason schwärmt vom Rückraum der Pharaonen: „Die machen den größten Druck nach Dänemark und Frankreich.“ Das ist keine Hoflichkeitsfloskel. Die Ägypter spielen mit Tempo, Wechseln und individueller Klasse – genau der Gegnertyp, den Deutschland vor der WM noch nicht gesehen hat. Für Späth und Ludwig wird der afrikanische Champion zur Zerreißprobe. Für die Abwehr um Johannes Golla ein Crash-Kurs gegen körperlich robuste Kreisläufer.

Mit von der Partie ist auch Rasmus Ankermann. Der U19-Weltmeister darf als Trainingsgast schnuppern – ein Vorgeschmack auf den nächsten Umbruch, der nach der WM 2027 kommen wird. Ankermann kennt die Drillingsanweisungen schon, bevor er sie im Seniorenbereich umsetzen muss. Clevere Personalplanung statt Schnellschüsse.

Am Ende steht eine simple Rechnung: Wer gegen Ägypten besteht, darf sich auf Kroatien, Spanien und Co. einstellen. Wer versagt, bekommt den Rest der Vorbereitung Zeit zum Nachdenken. Andreas Wolff hat sich freigemacht, damit sich andere beweisen. Die Torhüter-Krone liegt im Kieler Wohnzimmer – für 60 Minuten in Dortmund und 60 Minuten in Bremen übernimmt jemand anders das Kommando. Die Uhr für Januar 2027 tickt lauter als je zuvor.