Eva lys kniet wieder – indian-wells-traum geht vor dem ersten aufschlag kaputt
Die Kalifornien-Sonne ist noch nicht aufgegangen, da ist ihr Traum schon wieder geplatzt. Eva Lys sitzt im Hotelzimmer von Indian Wells, starrt auf das Bandagen-Set, das sie nicht mehr braucht, und tippt eine Zeile, die sich wie ein Seufzer anfühlt: Ich bin noch nicht bereit.

Ein knie, zwei grand-slam-niederlagen und ein sommer voller fragezehen
Die 24-jährige Hamburgerin hatte es sich anders vorgestellt. Statt wie geplant heute in Runde eins gegen eine Qualifikantin anzutreten, packt sie Koffer, die noch nach Neugier riechen, und fliegt zurück nach Europa. Das rechte Knie, das sie schon beim United Cup in Perth zickig machte, dann in Melbourne mit dicker Schiene anschleppte, rebelliert wieder. Die Bandage war in Australien noch ein Statement – »Ich kämpfe« –, in Indian Wells wird sie zur Mahnung: Ohne gesunde Kniescheibe kein Match.
Für die WTA-Statistiker ist Lys’ Absage eine Fußnote, für den deutschen Damen-Tennis ein kleiner Erdstoß. Ohne sie starten nur Laura Siegemund, Tatjana Maria und die Aufsteigerin Ella Seidel im Hauptfeld. Die Quoten für ein deutsches Achtelfinale sinken, die Stimmung im Teamquartier bleibt trotzdem locker – schließlich hat Alexander Zverev auf der anderen Seite des Draws das Kommando übernommen und mit Altmaier sowie Struff ein männliches Trio dabei, das dem Coachendeck der Organisatoren gefällt.
Lys selbst bleibt auf Instagram sichtbar: ein Selfie mit Sonnenuntergang, dazu der Hashtag #comebackstronger. Die Wortwahl klingt nach Marketing-Katalog, doch dahinter steckt eine Athletin, die weiß, dass der nächste Grand Slam in Paris schon in elf Wochen lockt – und dass ihre Knorpel sich nicht nach Turnierkalender richten.
Die harte Entscheidung fällt in letzter Minute, doch sie ist keine Panik. Belastungs-MRT, funkelnde Augenärzte, ein Coach, der lieber auf Nummer sicher geht – alles spricht gegen den Start. Die Gewissheit: Ein vorzeitiger Einsatz hätte sie in dieselbe Schiene gedrückt, die sie schon in Melbourne aus dem Turnier warf. Dort scheiterte sie in Einzel und Doppel in jeweils Satz eins, danach humpelte sie durch die Mixed Zone wie ein Betrunkener auf Stelzen.
Nun heißt es warten, statt jagen. Statt Matchrhythmus holt sich Lys Stunden auf dem Anti-Gravitations-Laufband, schraubt Belastung runter auf 60 Prozent Körpergewicht, lauscht dem Knie wie einem schlechten Radiosender. Die Saison ist lang, sagt sie sich, aber die Karriere ist kurz. Und so fliegt sie heim, während Indian Wells seine Bälle in die Wüstenluft schlägt und die deutsche Hymne bei der Siegerehrung in zwei Wochen vielleicht wieder ohne deutsche Finalistin erklingt.
Die Wüste nimmt kein Blut, nur Träume. Eva Lys rettet sich den ihren fürs nächste Mal.
