Wm-ticket unter beschuss: italien gegen bosnien, lewandowski jagt schweden
Ein Schuss, ein Sprint, ein Traum – und nur noch vier Plätze sind frei. Am Dienstagabend donnert in vier Stadien Europas das letzte Mal der Ball, bevor der Sommer die besten 48 Teams der Welt empfängt. Die Final-Four der Playoffs stehen, und sie lesen sich wie eine Fahrkarte durch die Fußball-Geschichte: Italien gegen Bosnien-Herzegowina, Polen mit Lewandowski in Schweden, Kosovo gegen Türkei und Tschechien gegen Dänemark. Wer gewinnt, fliegt. Wer verliert, guzt zu Hause.
Gattuso riss die kette – jetzt droht sarajevo
In Bergamo war es kein Fußballspiel, es war eine Befreiung. Als Moise Kean in der 74. Minute einköpfte, platzte ein Traum, der acht Jahre lang unter Druck stand: Italien kann wieder eine Endrunde sehen. Die Azzurri haben seit 2014 kein WM-Trikot mehr berührt, das ist für eine Nation, die vier Sterne trägt, ein Makel. Gattuso schrie sich die Seele aus dem Leib, und die Kurve antwortete mit einem Grollen, das bis Dienstag nach Sarajevo rollt. Dort wartet Bosnien, das erst gestern Abend gegen Wales im Elfmeter-Krimi die Nerven behielt. Dzeko & Co. träumen vom ersten Turnier seit 2014 – und sie haben Heimrecht.

Lewandowski jagt ibrahimovic – ein duell aus alter zeit
In Solna wird ein Sturm erwartet, der kein Blatt im Wind ist. Robert Lewandowski traf gegen Albanien schon wieder, sein 82. Länderspieltor. Auf der Gegenseite schielt Zlatan Ibrahimovic aus der Kabine, 42 Jahre alt und immer noch der Typ, der eine Nation elektrisiert. Schweden schoss die Ukraine mit 3:1 ab, doch die Tore waren nur die halbe Miete. Die ganze liegt im Kopf: Wer trägt das schwerere Erbe, wer erträgt den Druck? Die Antwort gibt es am Dienstag, 20:45 Uhr, wenn die Rosenborg-Arena zu kochen beginnt.

Kosovo wirft den algorithmus über den haufen
Wer die FIFA-Rangliste studiert, lachte über Kosovo. Dann kam das Spektakel in Prishtina: 4:3 gegen die Slowakei, ein Spiel, das kein Drehbuchautor besser hätte schreiben können. Muriqi köpfte in der 92. Minute zum Sieg, und die Fans rannten auf den Platz, als hätten sie die Unabhängigkeit neu erfunden. Nun kommt die Türkei, die sich gegen Rumänien nur 1:0 quälte. Montella hat die besseren Einzelspieler, aber Kosovo hat die bessere Geschichte. Und Geschichten schlagen manchmal Talent.
Dänemark spielt verrückt – tschechien spielt roulette
4:0 gegen Nordmazedonien – das war kein Sieg, das war Demonstration. Hojlund traf doppelt, Eriksen dirigierte wie ein Maestro. Die Dänen wirken frisch, als hätten sie 2022 nie stattgefunden. Tschechien dagegen schlitterte durchs Elfmeter-Drama gegen Irland, Soucek verwandelte den letzten Schuss. Nun treffen zwei Teams aufeinander, die beide glauben, endlich wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Wahrheit: Nur eins von beiden darf im Sommer in Dallas einlaufen.
Die Uhr tickt. In 72 Stunden wissen wir, wer die letzten vier Tickets löst. Die restlichen zwei Startplätze holen sich dann Uruguay, Marokko, Südkorea oder ein anderer Kontinent-Draufgänger in den interkontinentalen Duellen. Doch bevor am 11. Juni in Mexiko der Ball rollt, zittert Europa. Und ich sitze vor dem Bildschirm, Kaffee kalt, Notizblock voll. Weil Fußball manchmal einfach nur ein Schlag auf die Trommel ist – und die Trommel schlägt am Dienstag.
