Wm-ritual überrascht: warum saudische flaggen schweben!

Ein Detail, das bei der Eröffnungszeremonie von Spanien gegen Saudi-Arabien kaum jemand bemerkt hat, wirft nun Fragen auf und zeigt die Anpassungsfähigkeit des Fußballs an religiöse Gegebenheiten. Während die Fahnen der beiden Mannschaften in der Luft schwebten, ein ungewöhnlicher Anblick im Atlanta Stadium, wurden die üblichen riesigen Fahnen, die sonst über den Rasen gespannt werden, diesmal vermieden.

Ein islamischer grundsatz bestimmt das ritual

Ein islamischer grundsatz bestimmt das ritual

Die Umstellung hat ihren Ursprung in einer tief verwurzelten Tradition des Islam. Im WM-Jahr 2022 wurden die Nationalflaggen noch von Trägern gehalten, die sie während der Hymnen hochhielten – ohne Kontakt zum Spielfeld. Nun hat die FIFA jedoch ein komplett neu gestaltetes Zeremoniell vorgestellt, das von Präsident Gianni Infantino als „360-Grad-Erlebnis“ bezeichnet wurde. Ein zentrales Element dieser Zeremonie sind die beiden riesigen Fahnen, die parallel zum Spielfeld aufgestellt werden, ähnlich den Dimensionen, die in der NFL üblich sind.

Doch genau diese Neuerung führte zu einer unerwarteten Reibung: die Forderung, dass bestimmte Flaggen nicht den Boden berühren dürfen. Der Grund dafür liegt im Design der saudischen Flagge. Auf dem grünen Hintergrund prangt in weißer Schrift die Schahada, das Glaubensbekenntnis des Islam: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“ Diese Inschrift ist nicht nur ein dekoratives Element, sondern eine zentrale religiöse Aussage.

Die saudische Forderung ist gesetzlich verankert. Artikel 13 des saudischen Flagengesetzes von 1973 verbietet ausdrücklich den Kontakt der Flagge mit Boden, Wasser oder anderen Oberflächen. Auch das Hissen der Flagge auf Halbmast, selbst bei Trauerfällen, ist untersagt. Dieser Schutz basiert auf dem Koran (Sure Al-Hach, 22:32), der die Verehrung der Symbole Allahs fordert – eine Interpretation, die islamische Gelehrte (Faqih) als Verpflichtung zur Vermeidung jeglicher Entweihung des Namens Gottes verstehen.

Die saudische Regierung hat diese Forderung an die FIFA herangetragen, die daraufhin das Protokoll angepasst hat. Um eine visuelle Asymmetrie zu vermeiden, bei der eine Flagge auf dem Rasen liegt und die andere in der Luft schwebt, wurde beschlossen, beide Flaggen in gleicher Höhe zu präsentieren. Ein ähnliches Szenario gab es bereits beim Spiel zwischen Saudi-Arabien und Uruguay in Miami, wo auch die uruguayische Flagge in der Luft gehalten wurde, ebenso wie beim Irak gegen Norwegen.

Bei Letzterem gab es sogar eine anfängliche Ablehnung der FIFA, die sich auf mögliche Schäden am Spielfeld durch die Träger bezog. Erst nach hartnäckigen Verhandlungen mit Bagdad wurde die Forderung erfüllt, da die irakische Flagge ebenfalls die Aufschrift „Allahu Akbar“ enthält.

Ein Sonderfall ist der Iran. Die iranische Flagge trägt sogar zwei heilige Elemente – die Aufschrift „Allahu Akbar“ wiederholt am Rand der Streifen und ein zentrales Emblem, das den Namen Allah in stilisierter Kalligraphie darstellt. Theoretisch könnte auch hier ein ähnliches Vorgehen wie bei Saudi-Arabien und Irak angewendet werden. Im Spiel gegen Neuseeland wurde die Flagge jedoch regulär über dem Spielfeld ausgebreitet, da die iranische Regierung die Forderung nicht an die FIFA herangetragen hatte – inmitten anderer dringender Probleme wie Visadenialen für das technische Team und Proteste der Exil-Opposition.

Die Anpassung des WM-Rituals verdeutlicht, wie der globale Fußball sich den kulturellen und religiösen Besonderheiten der teilnehmenden Nationen anpasst. Es ist ein Zeichen des Respekts, aber auch ein Spiegelbild der zunehmenden Komplexität, die mit der Ausrichtung eines solchen Großereignisses verbunden ist.