Wm 2026: 48 teams, 104 spiele – der sommer wird zum ultramarathon
Die größte WM der Geschichte beginnt am 11. Juni in Mexiko City und endet 39 Tage später in New York. 48 Nationalmannschaften, 16 Stadien, drei Länder – und ein deutscher Auftakt gegen das 210.000-Einwohner-Land Curaçao. Die Botschaft der FIFA lautet: Mehr ist mehr. Die Frage lautet: Wie viel Durchhaltevermögen haben Spieler und Fans noch übrig?
Deutschland startet gegen den karibik-underdog
Julian Nagelsmanns Team trifft am 14. Juni in Houston auf Curaçao, einen Gegner, den selbst Confed-Cup-Sieger Lothar Matthäus googeln muss. Die Partie ist gleichzeitig das erste deutsche Gruppenspiel, das live im Ersten läuft – ein Programmplatz, der sonst Bundesliga-Spitzenspielen vorbehalten ist. Die DFB-Delegation residiert 1.500 Kilometer östlich in Winston-Salem, North Carolina, einer Universitätsstadt mit 250.000 Einwohnern und einem College-Campus-Platz, der nun zum WM-Trainingszentrum wird. Die Logistik: Flugzeit Houston–Toronto–New York, drei Zeitzonen, 35 Grad Temperaturunterschied. Die medizinische Staffel hat bereits Koffer volle Elektrolyt-Drinks gepackt.
Die neue KO-Runde beginnt mit einem Sechzehntelfinale. Das bedeutet: Acht Drittplatzierte rutschen weiter, das Achtelfinale ist Geschichte. Die FIFA verspricht mehr Dramatik, Kritiker wittern Entwertung der Gruppenphase. Die Trinkpause – nach 22 und 67 Minuten, jeweils drei Minuten – wird zum Standard, unabhängig von Temperaturen. Die Uhr läuft weiter, die Spielzeit wird einfach länger. Die Spielergewerkschaft FIFPro hat bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Ard und zdf teilen sich 60 spiele – der rest kostet
Wer alle 104 Partien sehen will, braucht MagentaTV. Die öffentlich-rechtlichen Sender sicherten sich das Paket mit den deutschen Begegnungen plus Eröffnung und Finale. Die restlichen 44 Partien laufen exklusiv beim Telekom-Anbieter. Die monatliche Abo-Preisliste: 9,95 Euro für HD, 4,95 Euro für Audio. Die Fan-Meute diskutiert bereits über „Pay-per-Tor“. Die FIFA kassiert angeblich 1,8 Milliarden Dollar allein aus den deutschen TV-Rechten – ein Rekord, der den nächsten WM-Zyklus bereits finanziert.
Argentinien reist als Titelverteidiger an, Lionel Messi hat bereits angekündigt, nach dem Turnier Schluss zu machen. Die Uhr tickt also zweimal: für den Superstar und für die Fans, die einen Sommer lang 64 zusätzliche Spiele verfolgen sollen. Der 8. Juli ist der erste spielfreie Tag – danach geht’s Schlag auf Schlag bis zum 19. Juli, wenn im MetLife Stadium das Finale steigt. Die Kartenpreise: 449 Dollar für die günstigste Kategorie, 4.999 Dollar für VIP-Tickets inklusive Halftime-Show mit Shakira und Coldplay. Die Nachfrage übersteigt das Angebot laut Ticketmaster bereits um das 17-fache.
Deutschland will 2026 endlich wieder eine Sommermärchen-Story schreiben. Die letzte WM endete nach der Vorrunde, die Nations-League-Abstiege folgten. Die Fans haben das Gefühl: Entweder jetzt oder nie. Die Mannschaft hat das Gefühl: Erst mal durchs Sechzehntelfinale. Die FIFA hat das Gefühl: Kasse machen. Am 19. Juli um 21 Uhr wissen wir, wem das Sommermärchen gehört – und wer nur von der Trinkpause profitiert hat.
