Wm 1986: hoeneß packt aus – so schlimm war es wirklich in mexiko!
Vor dem bevorstehenden WM-Turnier in Nordamerika wird erneut über die Wahl des DFB-Quartiers diskutiert. Während Kritiker das aktuelle Camp in Winston-Salem scharf kritisieren, erinnert sich der ehemalige Nationalspieler Dieter Hoeneß an die katastrophalen Bedingungen vor der WM 1986 in Mexiko – ein Turnier, das trotz eines Finaleinzugs als eines der kuriosesten der Geschichte gilt.
Die höhenprobleme und der überforderte co-trainer
Die WM 1986 in Mexiko, damals ohne Co-Gastgeber, war für die deutsche Nationalmannschaft eine Zerreißprobe. „Wir hatten ja insgesamt vier Trainingslager“, erinnert sich Hoeneß. „Erst ging es nach Malente, dann nach Kaiserau, dann nach Morelia zur Anpassung an die Höhe und schließlich in die Hacienda de Galindo. Wir saßen also rund sechs Wochen aufeinander.“ Der Start war denkbar ungünstig: Co-Trainer Berti Vogts wollte am ersten Tag eine Konditionseinheit forcieren, was durch die dünne Luft in mehr als 2000 Metern Höhe zu einem sofortigen Zusammenbruch der Spieler führte. „Man ist zweimal quer über den Platz gelaufen und war sofort platt“, so Hoeneß.
Die Anpassung an die Höhe erwies sich als äußerst schwierig, insbesondere für die europäischen Spieler, die normalerweise nicht unter solchen Bedingungen trainieren. „Zunächst war für Europäer die Umstellung enorm schwierig“, bestätigt Hoeneß. „Aber man hat sich irgendwann daran gewöhnt.“

Chaos im quartier und medienrummel
Doch nicht nur die Höhe bereitete Probleme. Das DFB-Quartier war ein einziges Chaos. „Das große Problem war, dass sämtliche Journalisten im gleichen Resort untergebracht waren wie wir Spieler und der ganze DFB-Stab“, schildert Hoeneß. „Morgens hat man die Vorhänge aufgezogen und schon hatte man vier Kameras vor der Nase – das war schlecht organisiert.“ Die ständige Präsenz der Medien führte zu einer angespannten Atmosphäre, die sich auf die Leistung der Mannschaft auswirkte.

Der vorfall stein und die drohende strafe
Ein weiterer Tiefpunkt des Turniers war der Vorfall mit dem damaligen Ersatzkeeper Uli Stein, der den legendären Torwart Sepp Maier hinter vorgehaltener Hand als „Suppenkasper“ verspottet hatte. Noch schlimmer: Ein Ausflug in die freie Zeit endete nicht im Hotel, sondern mit einem Medienrummel. „Klaus Augenthaler, Ditmar Jakobs, Uli Stein und ich sind entgegen der Legende nicht ausgerissen, kamen aber zu spät ins Hotel zurück“, erklärt Hoeneß. Die verspätete Rückkehr führte zu einem Aufruhr, der sogar die Tagesschau erreichte.
Die Reaktion des DFB war zunächst harsch. „Nach diesem Vorfall hat mir Egidius Braun, damals Leiter der Delegation, gesagt, dass dieser Vorfall ein Wendepunkt war“, erinnert sich Hoeneß. Eine Geldstrafe drohte, doch die Mannschaft zeigte einen bemerkenswerten Zusammenhalt. „Wir haben gesagt: Wir akzeptieren das und zahlen, danach reisen wir aber sofort ab.“ Die Solidarität der Spieler veranlasste Franz Beckenbauer, von der Strafe abzulassen und das Team zu verschonen.
Ein finale trotz allem
Trotz der zahlreichen Widrigkeiten schaffte es die Nationalmannschaft bis ins Finale, in dem sie Argentinien knapp unterlegen war. „Ich halte den Finaleinzug unter den damaligen Verhältnissen rückblickend für ein sehr gutes Ergebnis“, resümiert Hoeneß. Die WM 1986 mag kurios und chaotisch gewesen sein, doch sie bleibt ein prägendes Kapitel in der Geschichte des deutschen Fußballs – ein Kapitel, das die Bedeutung einer sorgfältigen Organisation und eines ruhigen Umfelds für den Erfolg einer Mannschaft verdeutlicht.
