Wittmann bleibt: ingolstadt verlässt sich weiter auf seine pionierin
Die erste Frau an der Seitenlinie eines deutschen Männer-Profi-Klubs bleibt genau dort, wo Historie geschrieben wird. Sabrina Wittmann und der FC Ingolstadt verlängern frühzeitig – und schicken damit ein Signal, das über die dritte Liga hinausreicht.

Vertrauen statt zwischenstand
Kein Saisonfinale, kein Auf und Ab der Tabelle, sondern klare Kante: Der FCI verlängert mit Wittmann und Co-Trainer Fabian Reichler, bevor die Spielzeit 2025/26 überhaupt an den Start geht. Eine mutige, fast schon sture Entscheidung – und genau deshalb richtig. Denn hinter dem aktuellen Zwischenplatz 11 nach 27 Partien steckt ein Kader-Umbau, der Zeit braucht. Zeit bekommt sie.
Die 34-Jährige kam im Mai 2024, holte als Notlösung die Lizenz-Überbrückung, schaffte den Sprung auf die höchste DFB-Trainer-Karte im Winter und überstand zwischenzeitlich zwei Absturz-Phasen, in denen die Schanzer sieben Spiele sieglos blieben. Reaktion der Vereinsführung? Schulterklopfen statt Rücktrittsforderung. „Wir spüren großes Vertrauen“, sagt Wittmann – und meint damit nicht nur Papiere, sondern Transfer-Budget, Trainingsbedingungen und die Kompetenz, selbst die U-23 mitzudenken.
Die Liga hat es kaum registriert, doch unter der Oberfläche arbeitet ein Trio, das längst mehr ist als PR-Gag. Sportdirektor Thomas Gööck, Co-Reichler und Wittmann bauen ein Spielsystem, das den jungen Angreifer Winkler ins Zentrum stellt und gleichzeitig die Außenverteidiger in Überzahl schicken kann. Ergebnis: Seit Januar 17 Punkte aus zehn Spielen, Tordifferenz plus 5. Kein Meister-Tempo, aber ein Trend, der Fans wieder in die Arena lockt – 8.300 Schnitt, 17 Prozent Plus.
Und jetzt? Die Personalie wirkt wie ein Türöffner. Ein Jahr vor Vertragsende hätte sie zum Spielball werden können, stattdessen wird sie zur Planungsgrundlage. Junge Talente wie Mittelfeld-Allrounder Kaya (19) unterschreiben lieber, wenn der Kopftrainer langfristig sicher sitzt. Sponsoren buchen mehr Dauerwerbung, weil die Story international zieht – US-Sender ESPN fragte bereits nach Hintergrund-Clips.
Lo que nadie cuenta ist die Zahl 41: So viele Coach-Wechsel gab es in Liga drei seit Wittmanns Amtsantritt. Ingolstadt blieb stabil, während andere Klubs sich verzettelten. Stabilität ist kein sexy Begriff, aber auf dieser Stufe der entscheidende. Die Konkurrenz schielt neidisch: Halle probierte mit Bianca Rech eine Frau im Aufsichtsrat, Dynamo Dresden diskutiert ein Mentoring-Modell – doch auf der Bank steht weiter nur eine.
Wittmann selbst redet nicht vom ‚Durchbruch für Frauen‘, sie redet vom 4-2-3-1, von Restverteidigung und vom nächsten Gegner Borussia Dortmund II. Genau das macht ihre Glaubwürdigkeit aus. Sie ist keine Ikone, sondern Fussball-Lehrerin mit Pro-Lizenz, mit der man Tabellen mittelformieren kann. Und wenn es klappt, landet Ingolstadt 2027 oben mit – ganz nebenbei, ohne großen Feminismus-Fimmel.
Der FCI plant laut internen Papieren ein Trainingszentrum für 14 Millionen Euro. Dafür braucht man Gesichter, die halten, was sie versprechen. Wittmann ist längst dieses Gesicht. Keine Ablösesumme, keine Spekulation, einfach Verlängerung bis auf Weiteres. Manchmal ist das die spektakulärste Lösung.
