Yakin darf jetzt acht mal wechseln: schweizer nati testet im wechselwahn
Murat Yakin grinste wie ein Schuljunge, der gerade erfahren hat, dass die Klassenfahrt doch noch stattfindet. „Mein Wunsch ist endlich in Erfüllung gegangen“, sagte der Schweizer Nationaltrainer am Rande des Trainingslags in Marbella. Grund für seine Freude: Die FIFA erlaubt ab sofort acht Wechsel in Länderspielen – und bei Einigung beider Teams sogar elf. Für Yakin ein Spielplatz, den er sofort betreten will.
Die elfer-regel kommt – doch yakin startet mit der besten elf
Die neue Regel trägt die Handschrift der Pandemie. Die Weltverbandshüter hatten im Februar reagiert, nachdem sich Trainer monatelang über Verletzungsrisiken und Überlastung beschwert hatten. Nun bekommt Yakin zwei Extra-Joker, die er gleich gegen Deutschland und Norwegen einsetzen will. „Wir beginnen mit der Formation, die in der WM-Quali gespielt hat“, sagt er. Doch die Ankündigung klingt wie ein Warnschuss: Bereits zur Pause will er rotieren.
Die erste Flutwechselwelle folgt in der Kabine, die zweite zwischen der 60. und 70. Minute. Yakin will nicht nur Beine schonen – er will Antworten. Wer behält die Linie, wenn nebenan plötzlich ein Debütant steht? Wer übernimmt Kommandos, wenn Granit Xhaka auf der Bank sitzt? Es sind Fragen, die im Juli in Katar über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

Die zahlen, die yakin feiern lassen
Bisher durfte er maximal seimal wechseln, musste dabei oft Kopfschütteln riskieren. Mit acht Wechseln kann er nun 73 Prozent der Startelf austauschen, ohne in die Verlängerung zu gehen. Und falls Bundestrainer Hansi Flick einverstanden ist, darf er sogar die komplette Mannschaft durchtauschen – ein Szenario, das in der Geschichte der Schweizer Nationalmannschaft noch nie existierte. Die Logik dahinter: Mehr Testdaten in kürzerer Zeit. Der Preis: Weniger Spielfluss, mehr Unterbrechung.
Doch Yakan nimmt die Kritik mit einem Schulterzucken hin. „Wir haben 26 Spieler im Kader, nicht elf“, sagt er. „Jeder bekommt seine Minuten, sonst verlieren wir sie an Clubverletzungen oder Frust.“ Es klingt wie ein Seitenhieb auf die europäischen Topligen, die ihre Stars bis auf die Knochen schuften. Die UEFA selbst hatte die Wechselregel für die Nations League bereits angepasst – die FIFA zieht nun nach.
Für die Fans in der Arena auf Schalke wird es ein Geduldsspiel. Wer in der ersten Halbzeit Switzerland auf dem Trikot liest, sieht möglicherweise in der zweiten ein völlig anderes Gesicht. Die deutsche Anhang wird mitfiebern, denn auch Hansi Flick plant Rotationen. Es könnte das erste Länderspiel werden, in dem mehr Spieler zum Einsatz kommen als Tore fallen – eine Statistik, die keiner braucht, aber alle diskutieren werden.
Yakin bleibt gelassen. „Wir testen, wir lernen, wir gewinnen nichts“, sagt er. Aber die Wahrheit ist: In Katar zählt jede Minute, jede Kombination, jede Laufstatistik. Und wer weiß – vielleicht ist genau der Spieler, der heute in der 75. Minute eingewechselt wird, derjenige, der im Achtelfinale den entscheidenden Pass spielt. Die Schweiz testet nicht nur. Sie programmiert sich neu.
