Tresoldi zögert: italien und argentinien schlagen zu, dfb schaut zu

Nicolò Tresoldi schießt in Belgien Tore am Fließband, doch im Nacken sitzen ihm zwei Nationalteams, die seine Waffe sofort für sich beanspruchen würden. Während Italiens Scouting-Chefs seine Clips durchgehen, hat Argentinien laut Bild bereits Kontakt aufgenommen. Der DFB? Liest mit, meldet sich nicht.

Die mutter ist argentinierin, der vater spielte für italien – tresoldi darf wählen

Geboren in Mailand, aufgewachsen in Aschaffenburg, Stürmer in Brügge. Drei Pässe liegen in seiner Schublade, keiner ist entwertet. Die argentinische Seite nutzt den familiären Zugang über Mama Barbara Caffi, Italiens Figc setzt auf die romantische Spur: Emanuele Tresoldi, einst selbst U-21-Azzurro, schwärmt noch heute von der Squadra Azzurra. Beide Verbände wissen: In vier Monaten kann Tresoldi durch drei Länderspiele für Deutschland endgültig weg sein.

13 Liga-Treffer, 17 Scorer-Punkte in 48 Pflichtspielen – die Zahlen sind das eine. Die andere Seite der Medaille: Erst sieben Male in Folge getroffen, Arsenal schickt Scouts, der Marktwert klettert auf 18 Millionen Euro. Doch Julian Nagelsmann schweigt. Kein Anruf, keine WhatsApp, kein „Hallo, wir schauen dir zu“. Auch nach dem Doppelpack gegen Polen in der U-21 blieb das Handy still.

Nagelsmanns schweigen kostet zeit – und vielleicht das talent

Nagelsmanns schweigen kostet zeit – und vielleicht das talent

Der Bundestrainer hatte im November noch getönt: „Tresoldi kann ins WM-Kader-Rennen kommen.“ Seither verstrichen zwölf Wochen, genug für zwei neue Anfragen aus Südamerika und Europa. Für den Spieler selbst klingt das wie ein Countdown. „Ich habe mich vor Jahren für Deutschland entschieden“, sagt er der Gazzetta, aber zwischen „habe“ und „werde“ klafft eine Lücke, die mit jedem torlosen DFB-Wochenende größer wird.

Die italienische Presse nennt ihn „il tedesco di Bruges“, argentinische Radiosender fragen nach dem „pibe alemán“. Die Labels kleben, bevor er sich selbst eines ausgesucht hat. Sollte Nagelsmann den Stürmer nicht bis Juni nominieren, dürfte der 21-Jährige bei der Copa América oder der Finalissima auflaufen – und Deutschland wäre nur noch Theorie.

Die Entscheidung liegt nicht beim Verband, sondern beim ersten Pfiff in einem Länderspiel. Tresoldi weiß das, seine Berater wissen das, die Konkurrenz auch. Deshalb flackert das Interesse so heftig wie seine Torausbeute. Wer zuerst zuschlägt, besiegt die Warteliste des Gegners.

17 Tore, fünf Vorlagen, sieben Spiele, sieben Treffer – die Formkurve zeigt steil nach oben. Wenn der DFB weiter zuschaut, wird bald jemand anders die Kurve für sich nutzen. Dann steht Tresoldi nicht mehr in Schwarz-Rot-Gold, sondern in Azur-Blau oder Albiceleste – und die deutsche Angriffsnot wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.