Ssv ulm am abgrund: trainer muss gehen, rettung unwahrscheinlich!

Ulm – Der Absturz ist fast vollzogen: Der SSV Ulm 1846 taumelt in die Regionalliga Südwest. Nach einer verkorksten Saison und dem verlorenen Duell beim TSV 1860 München steht der nächste Trainerwechsel bevor. Vorstandsvorsitzender Dominik Schwärzel spricht im Exklusiv-Interview über die bittere Situation und die überraschend positive Sichtweise trotz der drohenden Katastrophe.

Ein jahr der enttäuschung nach dem höhenflug

Noch vor einem Jahr kämpfte der SSV Ulm wacker gegen den Abstieg in der 3. Liga. Doch das Blatt wendete sich: Der Aufstieg unter Thomas Wörle in die 2. Bundesliga schien ein Märchen. Dieses Märchen endete abrupt. Die Ulmer konnten die Klasse nicht halten und stehen nun vor dem wohl größten sportlichen Tiefschlag der Vereinsgeschichte.

Die jüngste 2:3-Niederlage in München wirkte wie der Geniestreich. „Es ist natürlich extrem bitter“, hadert Schwärzel. „Woche für Woche hat man große Hoffnungen, und am Ende bleibt man wieder ohne Punkte zurück. Das tut weh.“

Abstieg schon im kopf?

Abstieg schon im kopf?

Die Lage ist ernst. Mit 32 Punkten liegt der SSV drei Spieltage vor Saisonende auf dem 17. Platz und somit im direkten Abstiegskampf. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt acht Punkte, und das Torverhältnis ist mehr als ungünstig. „Ich glaube, viele im Umfeld haben sich schon vor Wochen damit abgefunden“, gesteht Schwärzel. „Es ist ein schleichender Prozess, kein großer Knall am letzten Spieltag. Rechnerisch wird es immer schwieriger.“

Doch während viele den Kopf in den Sand stecken, blickt Schwärzel trotz allem nach vorne. „Wenn das Wunder noch kommen sollte, freuen wir uns natürlich umso mehr.“

Trainer dotchev muss gehen

Trainer dotchev muss gehen

Die Entlassung von Pavel Dotchev, dessen Engagement von lediglich 0,86 Punkten pro Spiel gekennzeichnet war, ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit dem Aus von Stephan Schwarz im März 2025 stand der Verein ohne Sportchef da. Die Verpflichtung von Murat Isik soll nun frischen Wind in die Organisation bringen und einen „konsequenten Neuaufbau“ einleiten.

Chaos hinter den kulissen

Hinter der sportlichen Misere verbergen sich tiefgreifende Probleme. Im Januar 2025 geriet eine Mitgliederversammlung aus dem Ruder, ausgelöst durch einen Konflikt zwischen Ultras und Teilen der Klubführung. Auch die turbulente Vergangenheit mit dem umstrittenen Ex-Geschäftsführer Markus Thiele und die kürzliche Abberufung von Urgesteinen des Vereins wie Heribert Fritz, Anton Gugelfuß und Eberhard Riedmüller zeugen von einem chaotischen Umfeld.

Ein öffentlicher Brandbrief der Mannschaft, in dem Thiele kritisiert wurde, verdeutlichte die tiefe Krise. Doch Schwärzel betont: „Wir haben unsere Entscheidungen nicht auf Basis dieses Briefes getroffen, sondern bereits zuvor.“

Die fans stehen fest

Trotz allem hält die Anhängerschaft zum Verein. „Es sind leidensfähige, sehr, sehr loyale Fans“, betont Schwärzel. „Zwischen Verein und Fans gibt es keinen Cut – überhaupt nicht. Wir müssen jetzt, wenn es so kommen sollte, den schweren Weg zusammen gehen.“

Ein abstieg als chance?

„Wir scheitern nicht, denn ich erkenne momentan klar, dass wir zusammenhalten“, erklärt Schwärzel. „Nur wenn wir unsere Tugenden verlieren würden und in eine wirtschaftliche Schieflage gerieten, nur dann wären wir gescheitert. Aus meiner Sicht ist es eine Chance.“

Der SSV Ulm muss sich nun auf die Regionalliga einstellen. Schwärzel spricht von einem Schattenkader mit 60 potenziellen Spielern, um Planungssicherheit zu gewährleisten. „Das ist unsere Pflicht. Wir müssen auf beide Szenarien vorbereitet sein.“

Am Samstag gegen Viktoria Köln (ab 16.30 Uhr im LIVETICKER) winkt die letzte Chance. Doch die Uhr tickt unaufhaltsam. Der Absturz könnte besiegelt sein – und Ulm muss sich auf einen Neuanfang in der Regionalliga einstellen. Eine bittere Pille, die aber, so Schwärzel, auch den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legen könnte.