Schäfer rastet aus: leipziger sieg wirkt wie niederlage

Marcel Schäfer, sonst die Ruhe selbst, sprang in der Nachspielzeit auf wie ein von der Tarantel gestochener Fan. Der Sport-Geschäftsführer von RB Leipzig hatte die Hand vor dem Gesicht, dann auf der Brust, dann wieder an den Ohren – ein Mann, der seinen eigenen Herzschlag nicht fand. „Das war das erste Mal, dass ich in der 90. Minute nicht mehr saß“, sagte er mit heiserer Stimme. „Das spricht Bände.“

Der sieg, der sich nach schmach anfühlt

2:1 hieß es am Ende gegen Augsburg, doch die Anzeigetafel log. Leipzig zitterte sich drei Punkte heran, als hätte das Team vergessen, wie Fußball funktioniert. Yan Diomande traf, Arthur Chaves traf ins eigene Netz – mehr Glück als Verstand. Die Leipziger Bank feierte nicht, sie atmete nur. Schäfer redete von „Willenssieg“, aber seine Augen erzählten eine andere Geschichte: die von Angst.

Die Tabelle lügt nicht. Platz fünf, 47 Punkte, drei vor Stuttgart, zwei hinter Hoffenheim. Die nächsten Gegner? Genau diese beiden. Und Schäfer kennt seine Killer: Deniz Undav und Ermedin Demirovic, „kaltschnäuzig und eiskalt vor dem Tor“. Seine Worte klingen wie eine Kampfansage an die eigene Abwehr. „Die hauen die Dinger dann halt rein“, sagt er – und meint: Wir nicht.

Die gefährliche selbsttäuschung

Die gefährliche selbsttäuschung

Im Kabinentrakt riecht es noch nach Benzin und Schweiß. Die Spieler gehen mit gesenkten Köpfen vorbei, keiner wagt ein Lächeln. Schäfer blockiert die Flure wie ein Sicherheitsbeamter. „Wir sind gewappnet“, beteuert er, aber die Stimme zittert. Wappnet man sich mit Glück gegen Stuttgarts Tempo? Mit Eigentoren gegen Hoffenheims Pressing?

Die Leipziger Fans verlassen das Stadion wie nach einem Unfall: froh, dass es nicht schlimmer kam, aber mit dem Gefühl, dass das nächste Mal alammieren könnte. Schäfer bleibt zurück, starrt auf den Rasen, auf dem seine Mannschaft gerade ihr eigenes Tempo verloren hat. Ein Sieg, der sich nach Niederlage anfühlt – und nach Vorbote für das, was kommt.