Panini-wahnsinn bei der wm: ein milliarden-geschäft und ein drohender lizenzverlust
Die Fußballwelt hält den Atem an, und mit ihr das kollektive Sammelfieber rund um die Panini-Alben. Ein Ritual, das seit 1970 Tradition hat und jedes Mal aufs Neue Millionen Menschen in seinen Bann zieht, scheint dieses Jahr besonders explosiv zu sein. Doch hinter der bunten Oberfläche des Sammelwahnsins verbirgt sich ein globales Geschäft von ungeahnten Ausmaßen und eine brisante juristische Auseinandersetzung, die das Schicksal der kommenden Weltmeisterschaften beeinflussen könnte.
Ein milliarden-imperium im wandel
Die italienische Firma Panini, seit Jahrzehnten unangefochtener Marktführer, muss sich in diesem Jahr mit einem Umsatz von schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro herumschlagen – die größte Auflage in der Geschichte des Unternehmens. Doch diese Erfolgsgeschichte könnte einen jähen Stopp erleben. Die FIFA hat überraschend die Rechte für die WM 2034 in Saudi-Arabien an den US-amerikanischen Konzern Fanatics vergeben, obwohl ein laufendes Verfahren vor einem New Yorker Gericht die Wettbewerbspraktiken von Panini in Frage stellt. Panini klagt gegen Fanatics und könnte damit das Ende einer Ära bedeuten.
Der globale Markt für Sammelobjekte ist ohnehin ein Gigant. Laut Morgan Stanley werden hier jährlich 100 Milliarden Dollar umgesetzt. Allein für diese WM werden schätzungsweise 500 bis 800 Millionen Stickerbeutel und 35 Millionen Alben über die Ladentische gehen – ein wahres Wirtschaftskraftwerk, das ganze Nationen bewegt.

Süamerika im panini-fieber
Besonders in Südamerika entfacht das Panini-Fieber eine regelrechte Begeisterung. Der lateinamerikanische Markt macht bereits 10 % des Gesamtumsatzes aus und ist der dynamischste Kontinent. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Kolumbien und Chile, wo Fußball mehr als nur ein Sport ist, haben die Verkaufszahlen die der WM in Katar bereits um 24 % übertroffen. Milton Benítez, der kaufmännische Leiter von Panini in Chile, erklärt: „In Ländern wie Kolumbien, wo gerade eine fußballerische Blütezeit erlebt wird, oder in Brasilien und Argentinien, wo der Fußball eine lebendige Tradition ist, wird das Spiel in jeder Ecke gelebt.“

Der straßenhandel boomt
Auch der Zweitmarkt floriert. In Santiago beispielsweise tauscht Julio Malvino seit 44 Jahren leidenschaftlich seine Sticker. An seinem Stand in der Nähe des Palacio de la Moneda bedient er täglich rund 1.000 Kunden. Ein voller Album, gekauft bei ihm, würde rund 335 US-Dollar kosten – eine Investition, die sich für viele Sammler lohnt. Der junge Franco Rivera nutzt das Panini-Fieber, um sich über Wasser zu halten. Er verkauft nicht nur Sticker, sondern auch selbstgedruckte Boxen und hat sich bereits ein Smartphone verdient.

Ein sammelobjekt mit mehrwert
Was macht Panini-Sticker so besonders? Milton Benítez erklärt: „Wir haben festgestellt, dass Sammler ein Produkt suchen, das etwas Besonderes, Einzigartiges und eben auch knapp ist.“ Die limitierten Sticker mit speziellen Farbvarianten und Prägungen, wie beispielsweise die goldene Messi-Karte, sind besonders begehrt und erzielen hohe Preise im Zweitmarkt. Die „Cambiatón“-Veranstaltung in Santiago, bei der tausende Sammler ihre Tauschgeschäfte tätigten, zeigt die immense Begeisterung für das Sammeln.
Das ende einer ära?
Während Panini sich auf andere Lizenzen wie Netflix oder Disney konzentriert und sich auf die WM 2038 vorbereitet, in der das Unternehmen sein 60-jähriges Jubiläum feiern wird, scheint die Zukunft ungewiss. Die FIFA setzt verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Fanatics. Doch eines ist klar: Das Panini-Album hat mehr als nur eine nostalgische Bedeutung – es ist ein Spiegelbild der Fußballleidenschaft, die Menschen weltweit verbindet.
