Monte carlo schlägt medwedew k.o.: 0:6, 0:6 in 49 minuten

Daniil Medwedew hasste Sand schon vor dem Match, danach dürfte er die roten Körner im Mund schmecken. Der Russe kassierte in Monte Carlo eine historische Doppel-Null von Matteo Berrettini – noch nie zuvor verlor er als Profi zwei leere Sätze.

Ein bagel, der wehtut

49 Minuten reichten dem ehemaligen Weltranglistenersten, um jegliche Selbstgewissheit zu verspülen. Berrettini, seit Monaten von Knie- und Muskelverletzungen zurückgepfiffen, nahm dem „Daniil from Moscow“ den Schläger aus der Hand – und das buchstäblich. Nach dem 0:3 im zweiten Satz zertrümmerte Medwedew seinen Wilson auf dem roten Asche, als könne er dem Court so die Schuld für die eigene Hilflosigkeit geben. Die Balljungen duckten sich, die Zuschauer im Court Rainier III verstummten. Es war der Moment, in dem klar wurde: Diese Partie wird in die Lehrbücher eingehen.

Die Statistik liest sich wie ein Horror-Skript: Kein Breakball, kein Spiel, kein Plan. Medwedews erster Siegball für Berrettini kam bei 0:5, 30:40 im zweiten Satz – ein Aufschlag, der knapp hinter die T-Linie segelte. Der Italiener konterte mit einem Inside-Out-Forehand, der dem Russen die Schuhe auszog. 0:6, 0:6 – das erste „Double Bagel“ in Berrettinis Laufbahn und für Medwedew die nackte Demütigung.

Roms sandtitel zählt plötzlich nichts mehr

Roms sandtitel zählt plötzlich nichts mehr

Noch vor drei Tagen erklärte der 30-Jährige voller Optimismus, er habe „gelernt, wie man auf Sand punktet“. Die Worte klingen jetzt wie Satire. 2023 holte er in Rom sein bislang einziges Clay-Masters, 2019 stand er in Monte Carlo im Halbfinale. Doch diese Erfolge wirken wie aus einem anderen Leben. Sein letztes Aufschlagspiel in Monaco war ein Mikrokosmos des Debakels: Zwei Doppelfehler, ein verrutschter Auftritt, ein verzweifelter Lob, der das Tuch streifte – 0:30, 15:40, Game.

Berrettini selbst konnte es kaum fassen. „Ich habe vielleicht drei Bälle verschlagen“, sagte er mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Mitleid schwankte. „So etwas passiert nicht einmal im Training.“ Der 28-Jährige servierte bei 76 % Erstaufschlagquote und gewann 88 % der Punkte nach dem ersten Aufschlag – Werte, die selbst Novak Djokovic im Kopfschütteln zurückließen.

Für Medwedew bleibt nur das große Zittern. Die nächsten Wochen führen über Madrid, Rom und Paris – alles Sand. Wenn er dort nicht anschlägt, droht der Abstieg aus den Top 10. Und seine Socken? Die landen wohl im Müll, das Auto muss zur Schlauchwaschanlage. Schmutzig ist das Leben – besonders auf Sand.