Etsv hamburg: der traum von der regionalliga zerbricht – wohin steuert der kader?

Ein Schock erschütterte den Hamburger Fußball: Der ETSV Hamburg, der gerade noch auf dem besten Weg in die Regionalliga Nord schien, steht vor dem finanziellen Kollaps. Der fulminante Aufstieg, der von einem beeindruckenden Team und ehrgeizigen Zielen geprägt war, könnte abrupt enden – und das mitten in der Saison.

Die achterbahnfahrt des erfolgs und die plötzliche bremsspur

Noch vor wenigen Wochen schien alles angerichtet für einen historischen Aufstieg. Nach dem Gewinn der Bezirksliga 2022 und der Landesliga 2023 dominierte der ETSV Hamburg die Oberliga mit einer beeindruckenden Bilanz. 61 Treffer in der Hinrunde, ein verschworenes Team unter Trainer Jan-Philipp Rose und die Torjägerkanone von Erolind Krasniqi (34 Saisontore – im Rennen um Martin Harniks „ewigen Oberliga-Rekord“) ließen auf eine erfolgreiche Zukunft schließen. Der „Zug“ hatte tatsächlich die richtigen Gleise gefunden, aus einer „ruckeligen Regionalbahn“ war ein ICE geworden.

Doch dann kam die Tragödie: Der Kapitän und erfahrene Routinier Sebastian Hertner (34, 217 Zweit- und Drittligaeinsätze) verlor bei einem Skilift-Unfall sein Leben. „Er hat die Mannschaft getragen, jetzt führen wir ihn auf den Platz“, erklärte Krasniqi, der den Verlust seines Teamkollegen sichtlich mitnahm. Das Trainingslager in Spanien sollte die Bindung stärken, doch die Stimmung verdunkelte sich zusehends.

Die finanzkrise und die ungewisse zukunft

Die finanzkrise und die ungewisse zukunft

Die Ursache für die aktuelle Misere liegt in einer dramatischen Entwicklung: Seit einiger Zeit werden offenbar keine Gelder mehr von Hauptsponsor Unternehmer Thomas Kropmanns ausgezahlt, der den Verein seit rund 20 Jahren unterstützt. „Wir können ihn nicht erreichen, wissen nicht, was Sache ist“, so Sportchef Jasmin Huremovic, der die Lizenzunterlagen schon seit Wochen in der Schublade hatte. Die Situation ist alarmierend: „Wenn ein einzelner Sponsor 70 oder 80 Prozent ausmacht – wie will man das auffangen?“

Gerüchte über einen Nichtantritt oder gar ein vorzeitiges Saisonende machten die Runde. Doch das Team zeigte Reaktion: Ein deutliches 11:0 gegen TuRa Harksheide und der Pokalsieg gegen Eintracht Norderstedt ließen nicht auf Resignation schließen. Aber die Frage bleibt: Wie lange kann diese kämpferische Haltung aufrechterhalten werden, wenn die finanzielle Basis fehlt?

Dassendorf als rettungsanker?

Dassendorf als rettungsanker?

Ein überraschendes Szenario gewinnt an Bedeutung: Viele Spieler des ETSV könnten in Dassendorf eine neue Heimat finden. Der achtmalige Oberliga-Meister und dreimalige Pokalsieger hat unter dem neuen Sportchef Hakan Karadiken, der auch Regionalliga-Erfahrung mitbringt, offenbar ehrgeizige Pläne. Karadiken, der zuvor als Teammanager beim ETSV tätig war, soll einen erheblichen Teil des Etats stemmen, da der langjährige Hauptsponsor Michael Funk eine breitere finanzielle Basis anstrebt. Der bevorstehende Duell am Gründonnerstag in Dassendorf wird daher zur Zerreißprobe – nicht nur sportlich, sondern auch in Bezug auf die Zukunft der Spieler.

Die Abgänge langjähriger Funktionäre wie Jan Schönteich und Alexander Knull, die den Verein fluchtartig verließen, unterstreichen die dramatischen Umwälzungen hinter den Kulissen. Ob sich der ETSV Hamburg tatsächlich so schnell wiederfinden wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der Traum von der Regionalliga scheint in weite Ferne gerückt, und die Zukunft des Vereins ist ungewisser denn je.