Blessin zahlt 10.000 euro für badstuber-attacke – st. pauli-coach kassiert rekordstrafe
10.000 Euro für einen Satz, der in die Geschichtsbücher der Millernto eingeht. Alexander Blessin hat seinen Kater von Freiburg nicht nur mit einem 1:2 abgebucht, sondern auch mit dem höchsten Geldregiment, das ein Zweitliga-Aufsteiger je für Schiedsrichter-Kritik aufrufen musste.
Der Deutsche Fußball-Bund ließ keine 48 Stunden verstreichen, bevor er das Urteil am Mittwochnachmittag via Pressemitteilung versiegelte: „unsportliches Verhalten“, „fragwürdige Unparteilichkeit“, 10.000 Euro – rechtskräftig. Damit steht Blessin auf der Liste der teuersten Trainer-Outings seit Jahren ganz oben, noch vor Julian Nagelsmann, der einst 20.000 Euro für einen Spaziergang zur Kabine zahlte – allerdings in der Champions League.
Die sätze, die ihm das genick brachen
„Wir haben nicht gegen elf, sondern gegen zwölf Mann gespielt – und der Zwölfte war der Schiedsrichter.“ Die Zeile flog ihm in der Live-On-Air-Diskussion mit DAZN-Moderator Laura Wontorra heraus, kaum dass Florian Badstübner den Abpfiff in die Hamburger Nacht geblasen hatte. Blessin schäumte, sparte nicht mit Nebensätzen über ein „höhnisches Lächeln“ und „respektloses Gelb“. Die Bilder schwappten durch die sozialen Kanäle, bevor die Kabinentür zufiel.
Was folgte, war ein Spagat zwischen Einsicht und Notwehr. Noch in der Pressekonferenz ruderte er halb zurück: „Aus der Emotion heraus, das muss man mir zugestehen.“ Aber das Gericht ließ keine Interpretation zu. Für den DFB ist Kritik an der Integrität eines Offiziellen eine rote Linie – egal, ob man Tabellenvorletzter oder Titelanwärter ist.

Warum diese strafe weit über st. pauli hinausreicht
Das Problem liegt tiefer. Mit der Klubführung auf der Brust und der Angst im Nacken schwelt in der Zweitliga-Spitze ein Frust, der sich immer öfter entlädt. In dieser Saison verzeichnete der DFB bereits 17 Verfahren wegen Schiedsrichter-Beschimpfung – Tendenz steigend. Blessins Fall ist nur der lauteste.
Die 10.000 Euro sind kein Tropfen auf den heißen Stein, sondern ein Signal an alle Trainer, die sich in TV-Runden als Hofnarr des Spiels inszenieren. Der Verband will die Grenze zurückziehen, bevor der nächste Coach öffentlich über „gekaufte“ oder „blinde“ Pfiff sinniert. Für Blessin bedeutet das: die nächste Eruption kann den Platzverweis kosten – und St. Pauli steht ohne Leitfigur da, während die Abstiegszone immer noch ein offenes Foyer ist.
Am Millerntor wird man die Strafe intern abzeichnen, die 10.000 Euro aus der Marketing-Kasse kippen und hoffen, dass die Mannschaft am Wochenende in Kiel mit Toren antwortet – statt mit neuen Nebenkriegsschauplätzen. Denn Punkte sind jetzt wichtiger als Punkte auf dem Konto des Coaches.
