Bahlingen-schlag: eintracht trier stemmt sich aus scherben und peilt 3. liga an

Die Rechnung ist gnadenlos offen: 157.000 Euro Verlust – das ist der Preis für einen einzigen Faustschlag in Bahlingen. Ein Jahr nach dem Attentat auf Shqipon Bektasi hat SV Eintracht Trier auf seiner Mitgliederversammlung Bilanz gezogen. Und die zeigt: Der Verein kratzte am Abgrund, kratzt sich aber wieder hoch.

„Geisterspiele“ kosteten fast eine halbe million

20.000 Euro Strafe, rund 100.000 Euro fehlende Ticketeinnahmen, weil die letzten beiden Heimspiele der Vorsaison vor leeren Rängen stattfanden – plus Image-Schaden, den kein Excel-Sheet abbildet. Die Liquidität schrumpfte so stark, dass private Gönner einspringen mussten. „Wir haben die dümmste aller Steuern gezahlt: eine Gewalt-Steuer“, sagte Finanzvorstand Marco Weber. Die Fanszene zahlte mit, indem sie auf Rückerstattungen verzichtete; Sponsoren verlängerten frühzeitig. Das Resultat: ein „Agreement“ mit der aktiven Szene, das bislang funktioniert – keine weiteren Strafen, keine neuen Eskalationen.

Doch ein Detail nagt: Der Täter hat sich bis heute nicht entschuldigt. „Das ist keine Frage des Geldes, sondern der Würde“, stellte Vorstandssprecher Alfons Jochem klar. Mit dem Verursacher besteht lediglich eine „Vereinbarung im Rahmen realistischer Möglichkeiten“ – Diplomaten-Sprech für: Er wird nicht flüssig bleiben, wenn die Summe fällig wird.

Transfer-biondic und der sprung in die 3. liga

Transfer-biondic und der sprung in die 3. liga

Die Sportführung nutzt die Krise als Katalysator. Die Umsatzerlöse stiegen von 1,24 Mio. Euro (Saison 2018/19) auf prognostizierte 2,9 Mio. Euro 2025/26 – unter anderem, weil Mateo Biondic für 220.000 Euro nach Sint-Truiden wechselte. „Wir wollen Spieler entwickeln und verkaufen, statt nur zu verwalten“, erklärte Sportvorstand Ingo Berens. Das Mittelfeld-Ziel: mittelfristig die 3. Liga. Kurzfristig reicht Platz neun und der Rheinlandpokal-Sieg, um den Europacup-Hintereingang offen zu halten.

Die personellen Weichen stehen. Kapitän Robin Garnier beendet im Sommer mit 31 Jahren seine Karriere, Youngster Fabio Lohei bleibt bis 2027. Ob Trainer Thomas Klasenverlängert, ließ der Vorstand offen – Kontinuität vor Quick Fixes. Am Samstag in Balingen kann Trier die miserable Auswärtsbilanz (1 Sieg aus 13 Spielen) korrigieren. Ein Sieg wäre mehr als drei Punkte – es wäre ein Symbol, dass der Faustschlag von vor zwölf Monaten der Vergangenheit angehört.

Die Zwischenbilanz zum 31. Dezember 2025: plus 17.000 Euro. Im Sommer 2026 könnte der Gewinn im unteren sechsstelligen Bereich liegen – genug, um fast das gesamte Bahlingen-Minus zu tilgen. Die Message: Trier lebt, Trier lernt, Trier zieht weiter. Die 3. Liga rückt näher – und mit ihr die Gewissheit, dass sich ein einzelner Idiot nicht lahm legt, was Generationen aufgebaut haben.