Werder wacht auf: stage jagt bremen aus der krise

Ein Kopfball, ein Faustschlag ins Kontor – und plötzlich atmet Werder wieder. Jens Stage köpfte Union Berlin im 4:1 aus der Alten Försterei, schob seine Grün-Weißen von Rang 16 auf 13 und sprach hinterher drei Worte, die in Bremen seit Monaten wie ein Fremdwort klangen: „Tut unheimlich gut.“

Rot, wut, befreiung

Die Partie kippte nach 19 Minuten. Union-Andreas Schäfer trat Stage um, sah Rot – und das Stadion verstummte. Werder nutzte die Überzahl gnadenlos: Deman glich aus, Stage drehte per Kopf auf, Covic und Schmid legten nach. Die zweite Hälfte wurde zur Lehrstunde in Kaltstart-Klaviatur: Thioune schickte seine Sechser höher, ließ die Außen kombinieren, und Union lief nur noch hinterher. Die Statistik fasst es nüchtern zusammen: 1,8 xG für die Berliner, 3,4 für die Gäste. Die Wahrheit steckt aber in Stages Oberschenkel, noch immer blau vom Schäfer-Tritt: „Ich spüre jeden Schlag – aber das war der Moment, wo wir zeigen, dass wir nicht mehr der Abstiegskrüppel sind.“

Thioune zieht die reißleine

Thioune zieht die reißleine

Daniel Thioune hatte die Woche über kleine Schalter umgelegt. Training mit Ball, ohne Druck, dafür mit Musik. Die Profis durften Fehler machen, mussten sie aber sofort korrigieren. Ergebnis: 94 % Passquote in der zweiten Hälfte, 68 % Ballbesitz, null Gegentorgefahr nach der Pause. „Die Jungs haben gespürt, dass sie wieder Fußball spielen dürfen, statt nur zu überleben“, sagt Thioune. Der Coach selbst wirkt nach dem Sieg wie nach einer Kur: entspannter, aber wach. „Wir haben nichts erreicht. Nur die Angst ein bisschen abgeschüttelt.“

Mainz und wolfsburg warten – mit hecking im nacken

Mainz und wolfsburg warten – mit hecking im nacken

Nächste Gegner: Mainz (Heim) und Wolfsburg (Auswärts), zwei direkte Konkurrenten. Dieter Hecking sitzt bereits im Fahrwasser, soll im Sommer übernehmen. Thioune weiß, dass jeder weitere Punkt sein eigenes Arbeitszertifikat ist. Die Mannschaft spürt den Druck – und spielt plötzlich mit breiter Brust. Stage: „Wenn wir so weitermachen, schaffen wir den Klassenerhalt. Dann kann der neue Trainer in eine ruhige Hafenstadt einlaufen.“

Die Fans feierten bis in die Nacht, 3.000 in Berlin, tausende mehr vor den Leinwänden an der Weser. Die Kurve sang „Werder wird nie untergehn“ – diesmal ohne Tränengas im Hals. Denn der Knoten ist geplatzt, und mit ihm die Angst. 13 Punkte bis zum sicheren Hafen, 9 Spieltage, ein Trend. Werder ist angekommen – im Tunnel steht Licht, nicht die Abstiegsgruft.