Werder bremen verspielt heim-coup und rutscht zurück in den sumpf
0:2 gegen Mainz, Platz 15, nur zwei Punkte Vorsprung auf Relegation – die große Befreiung ist wieder einmal nur eine Illusion an der Weser. Werder Bremen schaffte es, ausgerechnet gegen den direkten Konkurrenten die Hände sinken zu lassen und lieferte damit den Beweis: Diese Saison ist ein einziger Zahnradbruch bis zum letzten Spieltag.
Thioune zieht die notbremse – und kassiert trotzdem kritik
Trainer Daniel Thioune sprach von „enttäuschender Vorstellung“, doch das Wort trägt nicht mehr. Bremen spielte 45 Minuten, als wäre der Gegner Leipzig statt Mainz, dann war Luft raus. Die Zuschauer in der Weser-Stadion-Kurve schauten sich nach 70 Minuten schon ihre Smartphones an – das sagt alles über die Energie auf dem Platz.
Die Statistik nagt an den Nerven: Kein Torschuss zwischen der 23. und 67. Minute, nur 0,4 xG, dafür die fünfte Gelbe Karte gegen Jens Stage – er fehlt nun in Wolfsburg, wo Bremen ohnehin die letzte Auswärtsniederlage kassierte. Die Kette rutscht also weiter, weil kein Brett brennt, sondern das ganze Haus.

Der marathon wird zum sprint – und bremen trägt bleischuhe
Nächste Gegner: Wolfsburg (Samstag, 15:30 Uhr), dann Leipzig, danach Köln und das Nordderby gegen den HSV. Vier Partien, drei davon gegen Teams, die entweder um Europa oder ums Überleben kämpfen. Die Tabelle lügt nicht: Werder hat die zweitschlechteste Rückrunden-Auswärtsbilanz, verlor acht der letzten zwölf Spiele gegen Teams jenseits der eigenen Tabellenhälfte.
Leonardo Bittencourt redete nach Abpfiff von „Rückschlägen, die dazugehören“. Realistischer ist: Bremen hat in den entscheidenden Wochen keine Reserve mehr, weil die Bank dünn ist und der Kader seit Januar nicht verstärkt wurde. Die einzige Frage lautet nicht mehr, ob der Abstieg droht, sondern wie viele Zähler am Ende reichen – und ob 33 Punkte wirklich das Limit sind.
Die Ruhe, die Thioune predigt, wirkt mittlerweile wie Ablenkung. Die Fans wollen keine Sprüche, sondern Punkte. Gegen Wolfsburg wird die Kurve die erste Viertelstunde mittragen, danach muss das Team liefern. Sonst steigt der HSV im Mai nicht nur zum Derby, sondern zur Beisetzung – und Bremen spielt zweite Liga. Die Uhr tickt lauter als je zuvor.
