Weidle-winkelmann attackiert im riesenslalom: 500 punkte eröffnen tür zum wm-finale
Kira Weidle-Winkelmann tritt heute in Lillehammer an, als hätte sie nie etwas anderes gemacht als Riesenslalom. Die 30-Jährige, sonst auf Speed-Pisten unterwegs, startet erstmals im technischen Weltcup – und das, obwohl ihre einzige WM-Versuchung 2023 in Courchevel mit einem Aus im ersten Lauf endete.
Die Voraussetzung lieferte sie sich selbst. Mit 520 Gesamtweltcuppunkten hat Weidle-Winkelmann die 500er-Schwelle geknackt – ein Wert, der ihr Startrechte in allen Disziplinen beim Finale sichert, unabhängig von ihrer Platzierung im Riesenslalom-Ranking. „Ich habe mir diese Chance hart erarbeitet, jetzt will ich sie nutzen“, sagt sie knapp, bevor sie ins Hafjell-Gelände stapft.
Emma Aicher und Lena Dürr stehen neben ihr im Kader, doch die Blicke gehören vorerst Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin dominiert die Saison, doch Aicher hat ihr in Are bereits Beine gezeigt. Nach zwei Top-3-Platzierungen in Folge reist die 22-jährige Oberstdorferin mit Selbstvertrauen nach Norwegen. „Gut Skifahren und Spaß haben“, lautet ihr Credo – ein Satz, der sich liest wie ein Warnschuss an die Konkurrenz.

Die regel, die weidle-winkelmann rettet
Früher hätte eine Speed-Läuferin wie sie das Finale nur von der Tribüne aus verfolgt. Doch die FIS öffnet seit 2022 zusätzliche Startplätze für Athleten, die 500 Punkte oder mehr sammeln – ein Mechanismus, der die Starterfelder diversifiziert und die letzten Rennen dramatischer macht. Weidle-Winkelmann profitiert, doch sie weiß: Ein gutes Ergebnis im Riesenslalom wirkt wie ein Bonus, kein Selbstläufer.
Die Strecke in Hafjell ist technisch anspruchsvoll, die Nachtfrost-Phase der letzten Tage hat die Piste hart werden lassen. Für eine Athletin, die sonst bei 120 km/h über Eis und Buckel fliegt, bedeutet das: präzise Kantenwechsel statt purem Tempo. Ihr Trainerteam hat die Schwingungsdämpfung der Atomic-Rennski angepasst, die Kanten um 0,5 Grad schärfer gestellt – Details, die in der Weltcup-Elite über Sieg oder Ausscheiden entscheiden.
Die Uhr tickt. In zwei Tagen folgt die Abfahrt, danach Super-G. Weidle-Winkelmann könnte theoretisch auch den Slalom bestreiten, doch sie lässt offen, ob sie das Risiko eingeht. Die Kristallkugel ist verteilt, die Saison gewertet – für sie zählt nur noch der individuelle Ruhm. Und der beginnt heute mit einem Schwung, den sie nie zuvor in der Weltcup-Karriere wagte.
520 Punkte, null Riesenslalom-Erfahrung, ein Startnummernlos – die Zahlen klingen paradox. Doch genau diese Kombination macht das Finale in Lillehammer zur bittersüßen Attraktion. Wer weiß, vielleicht schreibt Weidle-Winkelmann nicht nur ein neues Kapitel, sondern dreht direkt die letzte Seite der Saison um.
