Watzke zieht sich zurück, aber schlotterbeck bleibt sein kümmerkind
Er wollte nur kurz „Hallo“ sagen, ist dann aber doch wieder ganz tief hineingezogen worden in den Poker um Nico Schlotterbeck. Hans-Joachim Watzke, frisch gewählter BVB-Präsident, eigentlich raus aus dem Tagesgeschäft – und trotzdem mitten drin in der wichtigsten Personalie des Sommers.
Seine Beobachtung klingt wie ein Seitenhieb auf die eigene Führung: „Letzte Woche komme ich in die Geschäftsstelle, dann sagen meine Mitarbeiter, der Nico Schlotterbeck ist da mit seinem Berater und mit Sebastian und mit Lars Ricken.“ Er habe nur kurz reingeschaut, „Hallo“ gesagt und sei wieder gegangen. Watzke betont, er trenne das „schon ein bisschen“. Doch die Geschichte zeigt: Wer 20 Jahre das Sagen hatte, der lässt nicht los, wenn der Klub zittert.
Warum der abwehrchef zögert und der präsident trotzdem hofft
Schlotterbecks Vertrag läuft 2027 aus, das ist kein Druck, aber auch keine Ewigkeit. Sebastian Kehl und Lars Ricken hätten den neuen Kontrakt am liebsten gestern unterschrieben. Doch der 25-jährige Innenverteidiger spielt auf Zeit. Watzke gibt sich „verhalten optimistisch“, ein Zitat, das sofort durch den Verein geistert. Es klingt wie ein Schulterklopfen und eine Warnung zugleich: Wir wollen dich, aber wir können nicht ewig warten.
Im Kabinenblock halten sich die Kollegen raus. Felix Nmecha, selbst erst frisch verlängert, sagt trocken: „Ich lasse ihn mal, ich lasse ihn selber die Entscheidung treffen.“ Das ist kein Desinteresse, sondern Respekt vor einem Teamrädelsführer, dessen Entschluss die Karten für die nächste Saison neu mischt.

Die champions-league-pleite als makel und die bayern als maßstab
Watzke redet nicht nur über Schlotterbeck, er redet über die Saison. Und da fällt sofort das Wort „Makel“. Gemeint ist das Aus gegen Atalanta Bergamo, das 0:3 in der Verlängerung, das „Killern“ in der letzten Sekunde. „Du hattest ja das Gefühl, dass wir das in der Verlängerung ziehen. Und dann machen wir in der letzten Sekunde diesen Scheiß – ist passiert.“
Die Bundesliga dagegen läuft. Punkte wie seit 2016 nicht mehr, Platz zwei, nur einen Sieg hinter dem ewigen Rivalen. Doch Watzke weiß: „Das Problem ist, dass die Bayern immer bestimmen, ob du Deutscher Meister werden kannst oder nicht.“ Und dann das Statement, das in München Jubel auslöst: „Bayern ist für mich momentan die beste Mannschaft in Europa!“
Ein Satz, der in Dortmund weh tut. Denn er erinnert daran, dass der BVB gerade dann dominiert, wenn er sich selbst übertrefft – und trotzdem nur zweiter Sieger wird. Genau wie bei Schlotterbeck: Der Klub gibt sich Mühe, der Präsident gibt sich optimistisch, aber am Ende entscheidet der Spieler. Und vielleicht auch der Blick auf die Bayern, die seit Jahren den Maßstab setzen, an dem sich jeder misst, der den BVB verlassen oder führen will.
