Waliser zertrümmern italiens traum vom historischen triple

Cardiff war ein Schlachthof. Nach dem Jahrhundert-Sieg über England platzte Italiens Seifenblase der Hoffnung in 31 Minuten, in denen Wales die Azzurri 31:0 wegpustete. Der 17:31-Endstand ist ein Alibi, mehr nicht.

Wainwright liefert das vorspiel zum debakel

Nummer 8 Aaron Wainwright spielte sich in die Geschichtsbücher: Nach 15 und 26 Minuten nagelte er zwei Mal ab, beide Male weil Italiens Tackler wie gelährt stehen blieben. Danach war das Spiel gelaufen. Dewi Lake machte es mit einem Maul-Touchdown zur Pause 21:0, Dan Edwards verwandelte alles – und die Waliser hatten endlich ihren ersten Sieg nach 15 Niederlagen in Serie.

Die Italiener? Sie kamen wie ein Haufen Touristen, die das Programm verwechselt hatten. Paolo Garbisi verpasste einen einfachen Straftritt, Louis Lynagh wurde im letzten Moment gestoppt, und als Alessandro Fusco einen Quengelball nicht sicherte, brannte die erste Lücke. Der Rest war Formsache.

Quesadas mannschaft erwacht, wenn der ofen schon kalt ist

Quesadas mannschaft erwacht, wenn der ofen schon kalt ist

Erst nach 50 Minuten schaltete Italien den Modus „Rugby“ ein: Tommaso Di Bartolomeo nutzte eine maulende Linie, Tommy Allan stanzte nach einem Menoncello-Break nach. 17:31 – das klingt nach Ehrenrunde, war aber nur Kosmetik. Zwei weitere Versuche von Monty Ioane und Leonardo Marin wurden per Video annulliert, weil eine Socke zuviel im Aus war. Pech? Nein, Symptom.

Die Tabelle lügt nicht: Italien schließt mit neun Zählern ab, vorläufig vor England, aber die +3 sind ein Kartenhaus. Die Engländer spielen noch in Paris. Wenn sie gewinnen, rutschen die Azzurri auf den letzten Platz zurück. Der Holzlöffel wartet immer noch im Regal.

Wales feiert sich, italien fragt sich

Wales feiert sich, italien fragt sich

Für Steve Tandy war es der erste Erfolg als Wales-Chef, für Gonzalo Quesada die erste herbe Dämpfer. Seine Spieler sprachen nach dem Schlusspfiff von „Stolz“ und „Charakter“, doch wer 50 Minuten schläft, hat kein Recht auf Selbstlob.

Die Zahlen sind gnadenlos: vier Gegenversuche aus penaltouches, 68 % Besitz im ersten Drittel, 21 Punkte zur Pause. Und die Mentalität? Die ließ sich mit dem Flugzeug in Mailand zurück.

Italien muss nun zusehen, wie Frankreich und England ihre letzten Partien bestreiten. Die 9 Punkte sind kein Polster, sondern ein Placebo. Der Traum vom historischen dritten Sieg ist tot, begraben in Cardiff – und mit ihm die Illusion, dass ein einzelner Erfolg gegen England eine Trendwende war. Es war nur ein Blitz, der im Millennium-Stadion kein zweites Mal einschlug.