Vujevic bricht weinend zusammen – fcz wendet trotz abwehr-crash doch noch die partie

73. Minute, David Vujevic nimmt die Hände ans Gesicht, die Tränen kommen vor Schmerz. Der 22-jährige Innenverteidiger hat sich bei einer Grätsche das rechte Bein verdreht, fasst sich sofort an den Oberschenkel und weiß: Aus. Die Zürcher Defensive, ohnehin schon gezeichnet von Verletzungen, verliert ihr letztes Standbein.

Der moment, als der fcz kurz vor dem kollaps stand

Zwölf Minuten zuvor hatte Vujevic sich noch einmal tapfer aufs Feld zurückzerren lassen, die Schmerztablette gekaut, die Bandage festgezurrt. Doch beim ersten Sprint merkt er, dass die Muskulätur nicht mitspielt. Coach Bo Henriksen wirft die Arme hoch, gibt das Zeichen für Daniel Ihendu. Es ist die dritte Verletzung in der Abwehrkette innerhalb von 14 Tagen – und genau da, wo der FCZ ohnehin schon auf Notlösungen setzt.

Die Stimmung im Letzigrund kippt. 1:1, die Gäste drücken, Zürich wirkt kopflos. Doch dann passiert das Unmögliche: Ivan Cavaleiro, gerade eingewechselt, nimmt den Ball mit der Hacke mit, dreht sich um 180 Grad und schlenzt ihn aus 17 Metern ins Kreuzeck. 2:1 – aus dem Nichts. Die Kurve explodiert, Vujevic auf der Bank vergisst für Sekunden die Schmerzen, feiert mit den Händen gegen die Schiene.

Was der ausfall wirklich kostet

Was der ausfall wirklich kostet

Die Diagnose steht noch aus, aber im Spielertunnel flüstern die Physios schon: „Adduktoren- oder Oberschenkelmuskelriss, mindestens vier Wochen.“ Für Zürich bedeutet das: Nächste Woche Lugano, dann Basel, danach Conference-League-Playoff – alles ohne Vujevic. Der Junge, der in dieser Saison erst zur Stammbesetzung aufgerückt war, muss wieder von vorne beginnen.

Die Tabelle lügt nicht: Der FCZ kassierte in den letzten fünf Partien acht Gegentore, zwei davon nach individuellen Patzern in der Innenverteidigung. Ohne Vujevic wird Henriksen wohl auf ein Dreier- oder gar Fünfer-Back-System umschalten müssen. Die Bank ist dünn, Léo Lacroix fehlt weiterhin, Nikolas Ioannou ist nur 80-prozentig fit. Die Lösung könnte ein Umsturm auf Cheick Condé werden – ein Sechser, der schon in der Jugend als Libero spielte.

Cavaleiro selbst war nach dem Spiel kaum zu bremsen: „Wir schieben uns gegenseitig, das ist unser Job.“ Aber hinter dem Jubel schwingt auch die Erkenntnis: Ein Sieg, der wie eine Niederlage schmerzt. Denn wenn die Abwehr nicht schnell gesund wird, wird selbst das spektakulärste Tor nicht reichen, um die Saisonziele zu retten.