Watzke zieht sich zurück – schlotterbecks zukunft offen

Hans-Joachim Watzke redet sich klein, während um Nico Schlotterbeck die Welt zusammenbricht. „Ich habe mich bewusst zurückgenommen“, sagt der BVB-Präsident – und meint damit, dass er nicht mehr mitmischt, sondern nur noch zusieht, wie der Abwehrspieler über seine eigene Zukunft entscheidet.

Warum watzke plötzlich nur noch zuschaut

Die Szeneri ist fast schon filmreif: Watzke betritt die Geschäftsstelle, sieht Schlotterbeck mit Berater und den Ricken-Brüdern sitzen, grüßt höflich – und verschwindet wieder. „Ich trenne das schon ein bisschen“, sagt er. Was nach Gelassenheit klingt, ist in Wahrheit ein Machtverzicht. Der Mann, der jahrelang jeden Transfer, jeden Vertrag, jede Schaltzentrale im Klub kontrollierte, überlässt nun das Feld den Akteuren. Der Grund: Er will nicht mehr der Buhmann sein, falls Schlotterbeck doch geht.

Der Nationalspieler hat sich bislang nicht festgelegt. Die Verhandlungen schleppen sich seit Wochen. Watzke nennt sich „verhalten optimistisch“, doch das klingt eher wie ein Mantra denn wie eine Prognose. Denn hinter den Kulissen wissen alle: Schlotterbeck wartet ab. Er schaut, wie weit der BVB in der Champions League kommt, wie viel Gehaltspielraum entsteht, ob ein Top-Klub aus England oder Spanien die Ausstiegsklausel zieht. Die Summe liegt bei 60 Millionen Euro – für Manchester United oder Real Madrid ein Schnäppchen, für den BVB ein existenzielles Risiko.

Der makel, der watzke nicht loslässt

Der makel, der watzke nicht loslässt

Stolz schaltet der Präsident in den Bundesliga-Modus: „Wir haben so viele Punkte wie seit 2016 nicht mehr.“ Dann kommt das Aber, das ihn seit Oktober verfolgt. Bergamo. Das 1:4. „Dieser eine Scheiß-Tag“, wie Watzke es nennt, kostete das Achtelfinale. Er sieht die Bayern durchs Finish rauschen, „momentan die beste Mannschaft Europas“, und weiß: Selbst eine Rekord-Punkteausbeute reicht nicht, wenn die eigene Abwehr in Italien auseinanderfällt. Genau dort steht Schlotterbeck. Genau deshalb ist seine Vertragsfrage mehr als nur Personalie – sie ist Standortbestimmung.

Der BVB kann sich keinen weiteren Abwehrschwund leisten. Ein Weggang des Linksfußes würde die komplette Innenverteidigung zerreißen, würde Mats Hummels allein zurücklassen, würde Nico Elvedi oder Jonathan Tah als teure Notlösung nachschieben. Watzke weiß das, deshalb der Rückzug, deshalb das betonte Fernbleiben. Er will den Spieler nicht unter Druck setzen, um ihn nicht zu verlieren. Ironie der Geschichte: Je mehr er sich zurücknimmt, desto größer wird die Last auf Schlotterbecks Schultern.

Die Entscheidung fällt spätestens im Mai. Bis dahin muss der BVB nicht nur die Champions-League-Quali sichern, sondern auch ein Signal senden: Wir sind bereit, mit den Besten zu konkurrieren. Ob Schlotterbeck dabei ist, wird zeigen, ob der Klub wieder ganz oben mitspielt – oder ob es bei der ewigen Bayern-Jagd bleibt. Watzke wird dann wieder ins Büro kommen. Und hoffen, dass der Abwehrspieler diesmal nicht nur kurz grüßt, sondern unterschreibt.