Von allmen krönt die saison mit silber und einem geständnis
Franjo von Allmen fuhr sich mit der letzten Abfahrt auf Rang zwei nicht nur den Silberpokal, sondern auch ein sauberes Gewissen. «Der Frühlingsschnee kam mir überhaupt nicht entgegen», sagte er nach dem Rennen vor laufender Kamera. Drei olympische Goldmedaillen im Gepäck, und doch steckt der 26-jährige Schweizer mitten in einem Lernprozess, der ihn fast die Konzentration gekostet hätte.
Die nacht, in der er schrauben drehte
Die beiden finalen Trainingseinheiten liefen schief, die Zeiten stimmten nicht, das Material fühlte sich fremd an. Statt zu lamentieren, öffnete von Allmen am späten Abend vor dem Rennen noch einmal den Skischuh. «Leichte Veränderung an der Bindung, fertig», sagt er und zuckt mit den Schultern. Die Aktion klingt nach Handwerker, nicht nach Athlet. Doch genau diese Mischung rettete ihm die Saison.
Der zweite Platz in der Gesamtwertung der Abfahrten ist kein Trostpflaster, sondern ein Statement. Hinter Vincent Kriechmayr liegt er nur drei Punkte zurück, ein Abstand, der sich in Kitzbühel und Wengen hätte vermeiden lassen. «Fehler, die nicht nötig waren», gesteht er offen. Die Rede ist von Leichtsinn in der Flachpassage und zu viel Risiko im Zielsprung. Kleinigkeiten, die in der Summe 80 Weltcup-Punkte kosteten.

Monney spürt den zahn der zeit
Während von Allmen lacht, schluckt Alexis Monney. Der Schweizer lag zwischenzeitlich vorne, verlor im obersten Streckenteil 18 Hundertstel und landete am Ende auf Rang vier. «Eine bessere Platzierung war drin», sagt er und starrt auf die Zeittafel. Der Blick geht zu Kriechmayr, der mit 0,12 Sekunden Vorsprung das Podest kapert. Monneys Satz klingt wie ein Vorwurf an sich selbst, nicht an die Piste.
Die Saison endet mit einem Tableau, das die neue Schweizer Dominanz zeigt: Silber und Bronze in der Abfahrtswertung, drei Goldmedaillen in Peking, ein Team, das sich selbst neu erfindet. Doch von Allmen will nicht feiern. Er packt die Ski schon in die Transporttasche und spricht von «nächstem Winter». Dann rollt er mit dem Daumen über die Kante der Skibindung und fügt hinzu: «Wenn der Schnee wieder pulvrig wird, bin ich bereit.»
Die Botschaft ist klar: Silber ist heute genug, morgen wieder nicht.
