Vom catwalk zum court: wie ulrike wölfel den mbc rockt

Ulrike Wölfel ist keine Fassade. Sie ist ein Brand. Als Vorstand der Syntainics MBC führt sie Deutschlands einziges Bundesliga-Team mit einem 36-jährigen Power-Frauen-Duo – und das, nachdem sie zuvor als Schlagersängerin, Miss Ostdeutschland und Stadträtin für Schlagzeilen sorgte.

Warum ihre vergangenheit kein pr-gag ist

Die Zahlen sprechen für sie: seit 2015 Prokura, seit 2018 verantwortlich für Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit, seit Februar 2024 geschäftsführendes Vorstandsmitglied. „Ich bin Betriebswirtin, kein Werbeplakat“, sagt sie knapp. Der Klub schreibt schwarze Zahlen, die Sponsorenliste wächst, trotz Abstiegskampf. Wer glaubt, sie sei nur Deko, verpasst, dass sie schon vor Jahren die Lizenz-Anträge allein unterschrieb.

Dennoch: die Blicke bleiben hängen. Drei Jahre nach ihrer Miss-Wahl tanzte sie noch in Glitzer-Kostümen durch die ARD-Showbühne, heute sitzt sie in Nike-Sneakern neben Coach Aleksandar Scepanovic auf der Bank. Die Medien lieben den Kontrast. Wölfel nutzt ihn, statt sich zu verstecken. „Rampensau? Klar, aber mit Excel-Tabelle“, lacht sie und tippt auf ihr iPad, wo die Gehaltsstruktur der kompletten Kader-Planung liegt.

Der kampf gegen männer-mythen

Der kampf gegen männer-mythen

In jeder Liga-Versammlung sitzt sie zwischen 17 Klub-Chefs, alles Männer. Die Frage nach Untertreibung kommt nicht offen, aber sie spürt sie. „Wenn ich einen Vertrag vorlege, wird dreimal nachgerechnet. Bei manchem Kollegen reicht ein Handschlag“, sagt sie. Ihre Antwort: mehr Transparenz als alle anderen. Die MBC-Homepage veröffentlicht seit diesem Jahr freiwillig die Geschlechter-Quote im Büro: 52 % weiblich. Branchenprimus.

Ein Detail verrät viel: als vor zwei Monaten der scheidende US-Center John Bryant öffentlich über „fehlende Kommunikation“ meckerte, ließ Wölfel intern die E-Mail-Ketten auswerten. Ergebnis: 37 versendete PDF-Infos in vier Wochen, alle mit Lesebestätigung. Die Spielergewerkschaft zog sich zurück. Seitdem schweigen auch sonst viele Kritiker.

Lebron james und die macht der träume

Lebron james und die macht der träume

Klassenerhalt lautet das Saisonziel, doch Wörfel denkt größer. „Wenn die Kasse stimmt, würde ich sofort LeBron anrufen“, sagt sie halb scherzhaft, halb ernst. Dahinter steckt ein Konzept: ein Marketing-Coup, der Merchandise-Umsätze in siebenstellige Regionen spült, sofort. Analysten rechnen vor: 48 Stunden Social-Media-Hype, 12 000 neue Dauerkarten, 3 Millionen Euro Media Value. Die Liga schielt neidisch. MBC-Vorstand Roland Kentsch bestätigt: „Ihre Ideen sind verrückt, aber sie liefern Zahlen.“

Die Realität bleibt trotzdem hart: am Sonntag gegen Alba Berlin droht die siebte Niederlage in Folge. Wölfel wird wieder zwölf Stunden im Office verbringen, zwischen Spielbericht, Personalplanung und TikTok-Clip. Ihre Tochter wartet zu Hause, fragt, warum Mama wieder spät kommt. „Weil Basketball kein 9-to-5-Job ist“, antwortet sie und meint sich selbst.

Um 23:17 Uhr nach dem Alba-Spiel, egal ob Sieg oder Klatsche, postet sie ein Foto vom leeren Parkett. Dazu nur ein Satz: „Nächste Saison tanzen wir hier Play-offs – mit oder ohne Glitzer.“ Kein Hashtag, kein EmojI. Just pure Selbstvertrauen. Und das, sagt sie leise, sei das einzige Vorurteil, das bleibe: „Dass Frauen sich das nicht trauen.“ Die Liga sollte aufpassen. Ihr Vertrag läuft erst mal bis 2027.