Nicola zerlegt cremona: vardy raus, system-wechsel, djuric erzwingt neuanfang
14 Spiele ohne Sieg, die Luft raus, die Tabelle ein Kälteschock – Davide Nicola zieht den Stecker. Die Cremonese flüchtet sich ins Retreat nach Torre Boldone, dort wo einst der FC Bayern seine Atalanta-Pläne schmiedete, und der Coach schmeißt das ganze Spielbuch in die Tonne. Montag gegen Fiorentina wird zur letzten Zitterpartie vor dem Absturz in Serie B.
Erstes Opfer: Jamie Vardy. Der 39-jährige Premier-League-Mythos bekommt den Stuhl vor die Tür. Zwischen Oktober und Dezember trug ihn die Adrenalin-Welle, die Doppelpack in Bologna war sein Höhepunkt. Seitdem läuft er mit Handbremse, die Beine zählen die Kilometer nicht mehr mit. Sein Vertrag? Kündigungsoption nur bei Klassenerhalt – und der rückt nicht in Sicht.
Djuric statt vardy – ein bock, der lang macht
Nicola setzt auf Milan Djuric. Der bosnische Koloss liefert das, was Cremona vermisst: Bälle, die nach vorne bleiben, Kopfbälle, die weh tun, ein Spiel, das nicht mehr über 15 Passtationen kreucht, sondern direkt aufs Tor zielt. Bonazzoli neben ihm profitiert, sein Treffer in Lecce entstand aus genau dieser Schlichtheit. Länger, höher, schneller – so will der Trainer die Krise brechen.
Doch es bleibt nicht bei Personal-Rochaden. Das 3-5-2, Nicola’s bisheriges Markenzeichen, ist Geschichte. Trainingsfotos zeigen eine Viererkette, Okereke als halblinks pendelnder Flügelstürmer, Maleh und Thorsby als Doppelsechs. Die Umstellung ist ein Eingriff ins Knie: Neue Laufwege, neue Abstimmung, neue Risiken. Okereke ist kein Außenbahn-Arbeiter, aber er läuft – und das reicht Nicola für den Gnadenschuss.

Abwehr umgestellt: terracciano zurück, baschirotto fehlt
In der Hintermannschaft kehrt Marco Terracciano zurück, er rückt auf die rechte Seite, wo bisher ein Notverband platzte. Baschirotto fehlt weiterhin gesperrt, ein Transfer zu Parma könnte nach der Länderspielpause folgen. Wer hinten steht, muss vorne zulangen – so lautet die Devise. Ein Punkt trennt Cremona noch vom rettenden Ufer, doch die Gegner wissen: Druck macht spröde. Gegen Fiorentina zählt nur ein Erfolg, sonst wird der Retreat zum Abschieds-Urlaub.
Nicola hat seine Mannschaft auf dem Trainingsplatz mit Sprintstafeten und Kleinfeld-Spielen gequält. Die Botschaft: Wer nicht brennt, fliegt. Die Spieler tragen jetzt keine Trikots, sie tragen Last. 34 Punkte auf dem Papier, 14 Spiele ohne Dreier – die Zahlen sind keine Statistik, sie sind ein Spiegel. Wenn am Montagabend die Lichter im Giovanni-Zini-Stadion angehen, entscheidet sich, ob Cremona noch einmal aufschreit oder endgültig verstummt.
