Vom bundesliga-profi zum waldviertel: seth paintsil erzählt, warum er nie ein black star wurde

Seth Paintsil traf einst viermal im Meisterfinale auf Malta, lief in der Bundesliga für Admira, Ried und Hartberg auf – und steht heute beim SC Retz im Waldviertel auf dem Rasen. Der Grund? „Ich musste meinen Deutsch-Kurs fertig machen“, sagt er und lacht. Doch dahinter steckt mehr als nur eine Sprachbarriere.

Black meteors statt black stars

Er war nah dran. Sehr nah. In Ghana kennt man die U23 als „Black Meteors“, jene Spieler, die kurz vor dem Durchbruch in die A-Nationalmannschaft stehen. Doch der Sprung blieb aus. Statt mit Bruder Joseph, heute bei LA Galaxy, gemeinsam für Ghana aufzulaufen, schaut Seth sich Freitagabend im Happel-Stadion die Black Stars an – und hofft, dass ihm Trainer Kloppitsch freigibt. „Eigentlich ist Training“, sagt er, „aber vielleicht lassen sie uns zum Spiel.“

Ein Abstecher nach Österreich war nie geplant. Nach drei Jahren in Finnland, wo er für FF Jaro 18 Zweitliga-Tore erzielte, schickte ihn sein Berater zu Testspielen nach Genua und Vicenza. Italien zog nicht, dafür Deutschland. Zuerst Admira, dann Ried, später Hartberg. Sieben Tore in 75 Bundesliga-Spielen. Keine Zahlen, die einen in den Kader der Black Stars befördern. „Markus Schopp war kein Fan von mir“, sagt er trocken.

Malta: glanz und rauch

Malta: glanz und rauch

2023 dann der Exodus nach Malta. Hamrun Spartans, das Finale gegen Floriana, 5:0 – und Paintsil triftt viermal. Die Fans singen noch heute sein Lied. Doch beim Nachfolgeklub Birkirkara endet das Abenteuer im Streit. „Maltas Fußball hat keinen guten Ruf“, sagt er. „Das macht es schwer, einen neuen Klub zu finden.“

Also Waldviertel. Retz. Ein Ort, wo die Linien noch mit Kreide markiert werden. Mit Abdullah Alhassan und Daniel Owusu bildet er „Little Ghana“. Vier Spiele, ein Punkt. Die Statistik ist kaltherzig. Doch Paintsil bleibt optimistisch: „Im Sommer will ich zurück in den Profifußball.“

Die wm kommt zu schnell

Die wm kommt zu schnell

Ghanas Gruppe in Katar? „Schwer“, sagt er. „England, Kroatien, Panama. Wir haben junge Talente, aber fehlt die Erfahrung. Und keinen Stürmer wie Asamoah Gyan.“ 2010 stand Ghana im Viertelfinale, Suárez mit der Hand am Tor. Heute hofft André Ayew mit 36 Jahren noch auf eine letzte WM. Rekordnationalspieler, 120 Länderspiele. Paintsil schüttelt den Kopf: „Wir sind keine Generation wie 2010.“

Im Happel-Stadion erwartet er ein 1:1 gegen Österreich – wie 2007. Dann zurück nach Retz, am Samstag gegen Donaufeld. „Wir werden sehen“, sagt er. „Der Meteor ist noch nicht verglüht.“