Viviano zerfetzt fiorentina: „kommunikation lächerlich, nichts funktioniert“
Emiliano Viviano hat es gesagt, ohne das Wort „Scheiße“ zu benutzen. Aber die Botschaft knallt genauso hart gegen die Plexiglaswand der Fiorentina-Führung: „Kommunikation lächerlich, nichts funktioniert.“ Der ehemalige Keeper sprach am Montagabend bei Arena Sportium, und binnen 180 Sekunden war die halbe Toscana auf 180.

Warum vivianos tirade jetzt jede transferplanung kippt
Der 37-Jährige griff nicht die Spieler an. Er grub tiefer. Struktur, Nachwuchs, Pressestelle, Kultur – alles auf Null. „Wenn du nach Florenz kommst, musst du der Geschichte entgegenlaufen, nicht umgekehrt.“ Sein Vorwurf: Die Clubbosse tragen die Stadt wie ein Souvenir, aber sie verstehen ihre Sprache nicht. Ergebnis: Ein Verein, der seit fünf Jahren kein Finale gewinnt und in dieser Saison sogar die Conference-League-Teilnahme zittert.
Die Zahlen untermauern seinen Zorn: Seit 2019 verlor die Fiorentina 43 % der Heimspiele gegen Teams unter Platz 10. Die Social-Media-Abbruchquote nach Niederlagen liegt laut KPI-Football bei 61 % – Spitzenwert in Serie A. „Lächerliche Kommunikation“, so Viviano, verstärke den Druck auf dem Platz, weil die Spieler im Netz schon halb gegrillt werden, bevor sie ins Flugzeug steigen.
Intern brodelt es ebenso. Im Januar forderte Präsident Rocco Commisso von der sportlichen Leitung einen „sofortigen Turnaround“. Die Antwort: zwei Punktspiel-Siege, dann wieder Pleite gegen Lecce. Viviano: „Der Manager bringt seine Arbeitskultur mit, aber wenn er sich nicht mit der Seele des Clubs verheiratet, bleibt es Fremdkörper.“ Klingt nach Seitenhieb auf Italo-Monte-Business-Modell, das seit 2019 bereits drei Sporting Directors verschliss: Corvino, Pradè, Macia.
Und jetzt? Die FIFA-Sanktion wegen Verstößen gegen die Agentenregeln kommt im April. Die Kurve fordert ein „Tifosi-Board“, analog zum Fan-Engagement-Code der Premier League. Commisso aber baut die neue Arena, statt die alte Kommunikationsruine zu flicken. Viviano sagt: „Am Ende summieren sich Kleinigkeiten zur Lawine.“ Bei der Fiorentina fällt eben nicht nur Schnee, sondern auch der Felsbrocken namens Identität.
Die Saison ist noch nicht gerettet, die Transferliste für Sommer 2024 aber schon halb zerrissen. Denn wer will zu einem Klub, dessen ehemaliger Torhüter live erklärt, dass selbst die Pressemitteilung ein Eigentor ist? Florenz braucht keine neuen Helden, sondern eine echte Story – und die beginnt nicht im Marketing, sondern im Spiegelsaal der Geschäftsstelle.
