Vittozzi sprintet zu silber: italiens windjägerin lässt simon zittern

Lisa Vittozzi flog über die estnische Eisrinne wie eine Bö – 2,9 Sekunden fehlten ihr am Ende auf den Sieg. Julia Simon setzte sich in der 7,5-km-Sprint-Wettbewerb von Otepää durch, doch die Azzurri holten sich mit dem zweiten Platz den 18. Team-Podestplatz dieser Weltcup-Saison – 20, wenn Olympia dazuzählt.

Wind von rechts, nerven aus stahl

Die Aufgabe war klar: Kein Fehler am Schießstand, sonst zersticht der Wind von rechts nach links die Scheibe. Simon setzte sofort Vollgas, Vittozzi sparte sich für den Schluss und spielte ihre Karten erst im letzten Anschlag aus. Beide blieben sauber, doch an der Matte entschied die Französin mit schnelleren Wechseln. Heraus kam ein Duell auf Messers Schneide – bis zur Zielgerade.

Die Uhr stoppte bei 22:09,7 Minuten für Simon, Vittozzi folgte nach 22:12,6. Dahinter lagen Welten: Justine Braisaz-Bouchet (FRA) und die überraschend starke Sophie Chauveau (FRA) verpassten das Podest, während die deutsche Hanna Kebinger mit zwei Strafrunden auf Platz 18 zurückfiel.

Jeanmonnot räumt die disziplinen-wertung ab

Jeanmonnot räumt die disziplinen-wertung ab

Die eigentliche Gewinnerin des Tages heißt Lou Jeanmonnot. Die Gesamt-Weltcup-Führende lag nach dem Schießen noch 22,9 Sekunden hinter Simon, sprintete aber in den letzten 600 Metern an der überraschten Denise Herrmann-Walz vorbei und kassierte damit die kleine Kristall-Kugel für die Sprint-Wertung. Für die 26-Jährige ist es die Krönung einer bisher unglaublichen Saison.

Italien feiert dagegen die Breite: Dorothea Wierer verpasste als 14. knapp die Top-10, Samuela Comola landete auf Rang 24. Der Teamspirit ist spürbar – und das, obwohl die WM noch aussteht.

Was heißt das für morgen?

Morgen steht die Verfolgung an – Vittozzi erstmals als Olympiasiegerin des Formats. Mit 2,9 Sekunden Rückstand auf Simon ist die Favoritenrolle offen, doch die Windprognose verspricht erneut Böen von 4–6 m/s. Dann zählt nicht nur Bein, sondern auch Köpfchen. Die Italienerin hat bewiesen, dass sie die richtige Mischung aus Tempo und Nervenkontrolle beherrscht.

Otepää liefert damit das perfekte Vorspiel für die Saison-Endspiele in Oslo. Wer jetzt zündet, darf in der Holmenkollen-Schlucht mitmachen. Vittozzi hat ihren Anspruch angemeldet – und die Uhr läuft. Keine Frage, der Kampf um Kristall bleibt offen bis zur letzten Scheibe.