Allegri wechselt selten – milan stellt europas spar-index an der seitenlinie auf

Milans Trainer Massimiliano Allegri hat in dieser Saison nur 110 der 140 möglichen Wechsel in der Serie A gezogen – weniger als jeder andere Coach der Liga. In Europa rangiert der AC Milan damit nur auf Platz 16, noch hinter Abstiegskandidat Nottingham Forest. Der Grund: Verletzungspech, ein kurzer Kader – und ein Sturkopf am Spielfeldrand.

Die bank ist blank, die zahlen lügen nicht

In 28 Spielen standen Allegri durchschnittlich nur neun Ersatzspieler zur Verfügung, zwei davon Torhüter. Rechnerisch blieben sieben Feldspieler übrig, oft angefüllt mit Primavera-Talenten und Milan-Futuro-Kickern. Das ist kein Luxus, sondern ein Baukasten. Das einzige Mal, dass er auf zwölf Wechseloptionen zurückgriff, war das Januar-Spiel gegen Como – ein Saisonrekord, der mehr über die Krisenmonate zuvor erzählt als über taktische Finesse.

Die Verletztenliste zwischen Oktober und November liest sich wie ein Kataster: Kalulu, Thiaw, Florenzi, Pulisic, Okafor. Wer da noch von Rotation träumt, glaubt auch an Zuckerwatte im Sturm. Allegri vertraut deshalb auf seine Stamm-Elf, wechselt erst nach der 75. Minute und selbst da nur, wenn das Resultat schon in der Tasche ist. Die Folge: Nkunku, für 40 Millionen gekauft, durfte im Derby gegen Inter in der 85. Minute ran. Jashiri, 35 Millionen teuer, feierte den Sieg in der gelben Übungsweste.

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Die Pariser, mit Dembélé, Marquinhos und Hernández auf der Bank, wechselten in der Saison nur 104-mal – noch weniger als Milan. Der Unterschied: Luis Enrique verlor trotz Goldreserven. Auch der Manchester City (113), Liverpool (114) und der FC Bayern (115) halten sich zurück. Der gemeinsame Nenner: Qualität allein macht noch keinen Mut. Es fehlt der „Spielbrecher“, der Douglas-Costa-Typ, den Allegri einst bei Juve aus dem Ärmel schüttelte. Stattdessen wartet Milan auf Füllkrugs spätes Winner gegen Lecce – der einzige Joker, der in diesem Jahr tatsächlich zündete.

Während Conte in Neapel Vergara und Ambrosino wagen lässt und Inter mit 137 Wechseln die Liga anführt, pokert Allegri auf Sicherheit. Die Devise: Erst die Champions-League-Quali, dann den Kader verjüngen. Bis dahon bleibt der Countdown an der Seitenlinie stehen – und mit ihm die Frage, ob Sturheit in Zeiten von fünf Wechseln noch Tugend oder schon Torheit ist.

110 Mal wurde gewechselt, 30 Mal blieb die Bank unberührt. In der nächsten Saison droht der nächste Kampf: Champions League, mehr Spiele, höheres Tempo. Dann zählt nicht mehr, wie teuer die Reserve ist – sondern wie schnell sie bereitsteht. Allegri hat 30 Züge Vorsprung, die er nie nutzte. Ob er sie künftig braucht, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die Uhr läuft, der Kader auch – nur die Wechselfrequenz steht still.