Virtus entzaubert napoli und fliegt schon wieder vier punkte weg

Einmal mehr hat es in der 21. Runde einfach nicht gereicht, um die schwarzen Raketen aus Bologna einzufangen. Mit dem 89:81 in der ächzenden PalaBarbuto verwandelte Virtus Segafredo die Reise nach Neapel in einen weiteren Gala-Auftritt und baute die Tabellenführung auf satte vier Zähler aus – während die Verfolger von Brescia diesmal zuschauen mussten.

Reggio emilia setzt playoff-ausrufezeichen

Nicht nur Bologna fliegt. Auch Reggio Emilia beschleunigt im Windschatten der Spitze. Gegen Pesaro schraubte die Band von Coach Menetti den vierten Sieg in Serie zusammen und rückt auf Platz fünf vor – ein Fingerzeig in Richtung Postseason. Die 91:77-Demonstration war dabei ein Lehrbuch in Effizienz: 63 Prozent aus dem Feld, nur acht Ballverluste, ein Stefano Tonut, der mit 23 Punkten die Defense zerfetzte. Die Fans in PalaBigi ahnen: Hier könnte sich ein Playoff-Geheimtipp anbahnen.

Ein anderer, der endlich wieder jubelte: Reyer Venedig. Die Lagunenstädter beendeten ihre Mini-Krise mit einem 78:77-Fight gegen Trento – entschieden durch einen Dreier in letzter Sekunde von Michael Bramos, der nach zuletzt mageren Wochen endlich wieder seine Schrotflinte kalibrierte. Die Arena tobte, der amerikanische Shooting Guard ließ sich feiern wie ein Playoff-Held – und das erst im Februar.

Sassaris überraschungs-coup und ferraris italienische stunde

Die größte Story des Wochenendes aber schrieb Sassari. Die Sarden ohne prominenten Neuzugang, dafür mit einem Trainingslager voller Frust nach der Pokal-Auslosung, schlugen im Friuli die nach Formschwäche stinkenden Triestiner 84:74. Die Überraschung: Coach Caja rotierte bis auf die letzte Bank, gab Debütant Alessandro Gentile 27 Minuten Spielzeit – und der Ex-Nationalspieler antwortete mit 18 Punkten und sieben Assists. Sassari springt damit auf Rang acht und erinnert sich an seine alte Underdog-Identität.

Italienische Farbe verpasste indes Diego Flaccadori nicht. Der 24-jährige Guard von Trento schoss sich trotz der Niederlage mit 25 Punkten in die Köpfe der NBA-Scouts – drei Blocks, fangfrische 50 Prozent jenseits des Bogens. Wenn die Draft-Glocken im Mai läuten, könnte ein italienischer Name früher fallen als gedacht.

Treviso versinkt, dinamo stemmt sich im overtime-drama

Am anderen Ende der Tabelle aber droht Treviso langsam die Realität zu verschlucken. Die 70:84-Pleite gegen Cremona war die siebte Niederlage in Serie. Die einstige Euro-League-Adlerhorst sitzt auf dem letzten Platz, der Abstand zur Dinamo Sassari wuchs auf fünf Punkte. Und genau diese Dinamo lieferte sich in der Nacht auf Montag ein Overtime-Märchen in Trento: Trevor Lacey versenkte mit der Uhr auf Null den Dreier zum 91:89 – und Sassari nahm den zweiten Sieg innerhalb von 48 Stunden mit auf die Insel. Die Rettungsanker werden dicker, während die Wassermassen für Treviso höher schlagen.

Die Tabelle nach 21 Spieltagen? Virtus 40 Punkte, Brescia 36, Reggio und Milano 32. Dahinter ein Gewirr aus Sassari, Venedig und Pesaro, das sich bis Ostern entwirren will. Für die Fans bleibt die Serie A ein Serien-Thriller ohne Werbepause – und für mich ein Dauersportfest mit italienischem Temperament. Die Playoffs rücken näher, die Karten werden neu gemischt. Und eins ist klar: Wer jetzt noch Luft holt, fliegt raus aus der oberen Hälfte. Die Saison ist längst auf Betriebstemperatur.