Vinicius trifft doppelt – simeones atlético jetzt 16 punkte hinter barça
Ein Satz hallt seit dem letzten Derbi durch Madrids Kabinen: „Florentino wird dich rauswerfen.“ Gerade hat Vinicius die Antwort geliefert – nicht mit Worten, sondern mit zwei Toren, die Diego Simeone am Ende doch noch aus LaLiga katapultieren.
Simeones scherbenhaufen: platz vier, 16 zähler rückstand
Atlético bleibt nach der 2:3-Niederlage im Bernabéu Vierter, zwölf Punkte hinter Real, sechzehn hinter Barcelona. Ein Abstand, der selbst für die wildeste Champions-League-Nacht zu groß ist. Die Rothosen brauchen jetzt eine Schützenhilfe vom Villarreal, das nur einen Punkt weniger hat und Atleti auf den Fersen liegt.
Den Führungstreffer erzielte Lookman nach einem Traum-Zuspiel von Giuliano Simeone – ein Hackenpass, der die ganze Saison zusammenfasst: kreativ, aber letztlich nur ein Strohfeuer. Ruggeri schaltete sich links ein, Simeone hob den Ball mit der Hacke in den Lauf des Nigerianers, Lunin war chancenlos. 0:1, Atleti jubelte, doch die Freude hielt 180 Sekunden.

Vinicius wacht spät auf, trifft früh entscheidend
Der Brasilianer brauchte eine halbe Stunde, um ins Spiel zu finden. Llorente sprintete ihn zunächst zweimal über den Flügel weg, sogar nach vorne: sein Schuss aus 14 Metern parierte Lunin mit einer Hand wie aus Training. Doch Vinicius lässt sich nicht zwei Mal bitten. Hancko foult Brahim im Strafraum, Schiedsrichter Hernández de Felipe zeigt sofort auf den Punkt – Vinicius verwandelt eiskalt, 1:1.
Kurz vor der Pause legt Valverde nach, ebenfalls nach Vorarbeit von Vinicius. Der Uruguayer presst Giménez im Aufbauspiel, erläuft den Ball, umkurvt Musso und schiebt mit dem Außenrist ein. 2:1, Hauptrunde fast gelaufen. Atlético wirkt wie nach einem KO, doch Simeone stellt um, drängt – und findet den Anschluss durch Correa. Das Stadion zittert, bis Vinicius in der 78. Minute erneut einschaltet: Solo über halblinks, Doppelpass mit Bellingham, trockener Schuss ins lange Eck. 3:2, Entscheidung.

Arbeloa setzt standards – mbappé und trent sitzen zunächst
Real-Coach Arbeloa hatte bereits am Vormittag die Weichen gestellt. Wer zu spät kommt, fliegt raus – auch wenn er Trent Alexander-Arnold heißt. Der Engländer begann auf der Bank, Kylian Mbappé ebenfalls, weil die medizinische Abteilung eine 92-prozentige Fit-Börse meldete. Der Befehl: „Spiel nur, wenn du eins hundert bist.“ So hart kalkuliert, so souverän zelebriert. Die Kabine jubelte, als die Aufstellung durchs Lautsprechersystem lief – Disziplin vor Star-Allüren.
Auch Brahim Díaz profitiert. Der Malagueño spielt seit Wochen wie entfesselt, erarbeitete den Elfmeter und lief 11,2 Kilometer – mehr als jeder andere Offensivspieler. Sein Zweikampfverhalten ist längst Defensiv-Arbeit erster Güte. Ohne sein Pressing wäre Hancko nie ins Straucheln gekommen.

Arbeloa auf titelkurs – simeone steht mit dem rücken zur wand
Real fährt die achte Liga-Niederfolge in Serie ein, liegt zwei Punkte vor Barça, hat das zweitbeste Torverhältnis und die jüngste Startelf Europas. Arbeloa zielt auf das Double, die Stimmung im Stadion kippt nach jedem Tor in einen einzigen, ohrenbetäubenden Samba-Rhythmus. Simeone dagegen muss erklären, warum Atlético seit Januar nur eines von sieben Top-Spielen gewann. Seine Antwort: „Wir haben den Glauben nicht verloren.“ Doch die Tabelle lügt nicht. Zwölf Punkte Rückstand auf den Stadtrivalen, die Champions-League-Plätze in Gefahr, die Atmosphäre im Wanda Metropolitano auf Siedehitze.
Am Ende bleibt ein Bild: Vinicius, Trikot aus der Hose, Armel hochgekrempelt, den Ball unterm Arm – und ein Lächeln, das genug sagt. Florentino hat niemanden rausgeworfen. Vinicius aber schon. Und er schickt Simeone mit einem Doppelpack in den Sommer – ohne Titel, ohne Antwort, fast ohne Luft.
