Vingegaard zerlegt die organisatoren von paris–nizza: „würdelos für die worldtour“
Jonas Vingegaards Saisondebüt dauerte 154 Kilometer – und endete mit einem Donnerwetter gegen das Rennbüro. Der Doppel-Toursieger schickte 47 Sekunden Rückstand und einen wütenden Pressestatement hinterher: Die erste Etappe sei „unwürdig für ein WorldTour-Rennen“. Die Schuld dafür sieht er in einer chaotischen Streckenführung, die mehrere Stürze provozierte und das Feld in Carrières-sous-Poissy zerfetzte.
Die abfahrt, die dreimal auf dem programm stand
Die Côte de Chanteloup-les-Vignes ist in diesem Frühjahr kein unbekannter Hügel, doch dass die 2,5-km-Abfahrt dreimal in den Finale loop eingebaut wurde, lässt Vingegaards Adrenalin noch nachzucken. „Schlechter Belag, Bodenschwellen, 90-Grad-Kurven – das ist keine Vorbereitung, das ist Lotterie“, wetterte er gegenüber dem dänischen Portal Feltet. Der Visma-Lease a Bike-Kapitän fuhr als 54. durchs Ziel, doch die Platzierung interessierte ihn kaum. Die Kamera fing ihn ein, wie er direkt hinter dem Zielbogen mit erhobener Hand auf die Streckenposten zuging – ein Bild, das in den sozialen Netzwerken binnen Minuten viral ging.
Die Zahlen liefern ihm Recht. Drei Massenstürze innerhalb der letzten drei Kilometer, 28 Fahrer mit Zeitverlust, zwei verbeulte Schultern, ein gebrochener Lenker – und das alles auf einer Flachetappe, die eigentlich den Sprintern gehören sollte. Mauro Schmid kommentierte lapidar: „Wenn du hier nicht stürzt, bist du im Lotto.“

Visma zieht konsequenzen – und die uci steht auf dem prüfstand
Teamchef Merijn Zeeman kündigte noch in der Zielgerade an, dass man die Streckenakten juristisch prüfen wird: „Unsere Fahrer sind keine Crashtest-Dummies.“ Die UCI hat bisher lediglich ein Standard-Statement veröffentlicht, doch intern ist man alarmiert. Für 2027 steht die Neuvergabe der WorldTour-Lizenzen an – und Paris–Nizza steht ohne Konzept da.
Vingegaard selbst will die Wogen nicht weiter befeuern, doch sein Blick verrät mehr als seine Worte. „Ich brauche keine extra Risiken, meine Saison beginnt im Juli“, sagt er mit Blick auf die Tour de France. Die 47 Sekunden kann er in den Bergen noch abfangen, doch die Blessuren, die seine Rivalen Ayuso, Almeida und Vlasov mit sich schleppen, könnten das Gesamtkino verändern. Denn wer auf der ersten Etappe schon auf dem Asphalt liegt, der startet in die Bergtage mit zerkratzter Haut – und das kann in der finalen Woche den Unterschied zwischen Gelb und Nichts bedeuten.
Die Organisatoren haben 24 Stunden Zeit, um das Programm für Dienstag umzuschreiben. Die Forderung der Teams: weniger technische Finale, breitere Straßen, keine Wiederholungsschleifen. Sonst droht ein offener Boykott – und das wäre für Paris–Nizza ein Imageschaden, der sich nicht mehr kitten lässt. Die Uhr tickt.
