Vingegaard räumt im alpen-kracher alles weg: rosa trägt jetzt nur er
133 Kilometer, fünf Pässe, ein Schlag. Jonas Vingegaard schraubte sich am Samstag in Aosta-Pila in eine andere Dimension, riss das Rosa vom Rücken des Portugiesen Afonso Eulálio und schickte seine Rivalen mit 49 Sekunden Rückstand ins Tal der Traurigen.
Die attacke, die alles sprengte
Am Fuß der letzten Rampe von Pila war noch alles im Lot. Eine Spitzengruppe um Jan Christen und Jardi van der Lee hielt 45 Sekunden Vorsprung, Eulálio saß sicher im Peloton. Dann zog der Däne von Visma | Lease a Bike den Reißverschluss auf, ließ die Kurbel bei 95 Umdrehungen tanzen und riss den Rest der Welt mit. 3:53:01 Stunden stand am Ende auf der Uhr – seine dritte Etappensiegerehrung in diesem Giro nach Blockhaus und Corno alle Scale.
Felix Gall schaffte es noch, sich als zweiter Radfahrer über die Zielaufstellung zu zwingen. Der Österreicher schob sich mit verbissenem Blick über die Linie, als wäre das Rosa noch greifbar. Es ist es nicht. 2:26 Minuten fehlen ihm und allen anderen jetzt auf Vingegaard.

Eulálio bricht ein, bernal hält sich wacker
Der Mann, der gestern noch das Piemont-Alpen-Trikot trug, verlor auf den letzten vier Kilometern 1:37 Minuten. Afonso Eulálio schlug die Hände vors Gesicht, als er die Zielgerade betrat – nicht vor Erschöpfung, sonnern vor Schmerz über die eigene Machtlosigkeit. Die Favoritenrolle war nur ein kurzes Gastspiel.
Die kolumbianischen Hoffnungen überstanden den Tag mit gemischten Gefühlen. Egan Bernal fuhr auf Rang zehn ins Ziel, büßte 2:08 Minuten ein und rutschte in der Gesamtwertung auf Platz zwölf ab. 7:30 Minuten Rückstand – das klingt nach viel, ist aber in den Alpen noch kein Todesurteil. Einer Rubio dagegen schaffte es als ehemaliger Flieger nur noch auf Position 31. 49:12 Minuten fehlen dem Movistar-Kletterer – seine Tour ist gelaufen, bevor die letzte Woche beginnt.

Was jetzt zählt: 2:26 minuten vorsprung
Die Top-Ten der Gesamtwertung liest sich nach einem einzigen Namen: Vingegaard. Dahinter jagen Gall, Arensman und Hindley um die Reste. Die Verwerfung ist so groß, dass selbst ein Sturz oder ein schlechter Tag des Dänen die Rosa kaum noch ins Wanken bringen dürfte. Die psychologische Schere funktioniert wie ein zusätzlicher Berg.
Morgen dürfen die Sprinter das Mikrofon übernehmen – flache 189 Kilometer nach Fossano. Für die Gesamtklasseur heißt es: Beine stillhalten, Kalorien tanken, Gehirn ausschalten. Denn am Dienstend warten erneut 4.000 Höhenmeter, und wer dann nicht pariert, kann seine Pläne direkt in die Alpengräber werfen.
Der Giro 2026 hat seinen Kaiser gefunden. Ob ihn jemand noch stürzen kann? Die Antwort liegt irgendwo zwischen 2:26 Minuten und einem Ritterschlag, den bisher niemand auszuteilen vermag.
