Viktoria köln nagelt wilhelm fest: 16 jahre verein, jetzt soll er die nächste schiene legen
Marian Wilhelm bleibt, weil er nie wirklich weggewesen ist. Seit 16 Jahren schon hängt der 37-Jährige an der Schäl Sick, seit Donnerstag auch offiziell als Cheftrainer der Drittligisten – unbefristet, denn Verein und Coach wollen „keine Halbwertszeit mehr erfinden“, wie Sportvorstand Franz Wunderlich sagt.
Kein neuanfang, sondern konsequente fortsetzung
Die Vertragsverlängerung kommt ohne Tamtam, dafür mit einem klaren Bekenntnis zur Kontinuität. Wilhelm übernahm den Laden im Sommer 2025, als die Viktoria zwischen Anspruch und Abstiegszone taumelte. 38 Punkte später steht das Team auf Platz zwölf, sicher, aber nicht saturiert. Gerade das gefällt den Verantwortlichen: keine Aufstiegs-Illusionen, aber auch kein Klassenkampf mehr. „Wir wollen Fußball spielen, nicht Roulette“, sagt Wilhelm, der die Mannschaft zudem ins Halbfinale des Landespokles führte.
Die Zahl, die ihm am meisten Kopfzerbrechen bereitet, ist keine Statistik, sondern ein Datum: 1. Januar 2010. An diesem Tag schlug der Berliner die Tür zur Viktoria auf – und ließ sie nie mehr zu. „Ich kenne jeden Flur, jeden Ballkorb, jeden Mitarbeiter“, schmunzelt er. „Das kann man als Nachteil sehen. Ich sehe es als Vertrauensvorschuss.“

„Wir wachsen nicht mit fanfaren, sondern mit fakten“
Valentin Schäfer, sportlicher Leiter und Weggefährt seit der U19, nennt das Duo „ein eingespieltes Team aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum – in der Liga so selten wie ein Elf-Meter ohne Diskussion“. Für ihn ist die Verlängerung keine Gefälligkeit, sondern ein strategischer Schritt: „Wir wachsen nicht mit Fanfaren, sondern mit Fakten. Marian kennt die DNA des Vereins, weil er sie mitgeschrieben hat.“
Die Fans auf der Südtribüne feierten die Nachricht mit einer Choreo – nicht aus Leinwand, sondern aus Leidenschaft: 16 Schals in den Vereinsfarben, gehisst für jedes Jahr Wilhelms im Klub. Die Botschaft: Identität vor Impuls, Kontinuität vor Kurzschluss. Dabei weiß auch Wilhelm, dass Dauer nur dann Bestand hat, wenn Ergebnisse folgen. „Vertrauen ist kein Dauergast, sondern ein Saisonkarten-Inhaber“, sagt er. „Den muss man sich jedes Spiel neu verdienen.“
Am Sonntag gastiert Viktoria Köln bei Dynamo Dresden. Für Wilhelm kein Endspiel, aber ein Gradmesser. „Wenn wir dort bestehen, sprechen die Leichen im Keller nicht mehr mit“, sagt er und lacht – dieses Lachen, das zwischen Anspannung und Ahnung schwankt. Denn wer 16 Jahre dabei ist, kennt die kurzen Wege zwischen Höhenflug und Absturz. Nur diesmal will er sie nicht mitspielen. Sondern mitgestalten – ohne Verfallsdatum.
