Viggo kristjansson jagt die rote uhr: 16 treffer reichen nur für platz 18
Viggo Kristjansson war kurz davor, Geschichte zu schreiben. 16 Mal zappelte das Netz, 16 Mal jubelte der HC Erlangen, doch die ewige Bestenliste bleibt hart. Stefan Schröder hält seit 2008 die Rekordmarke von 21 Treffern in einem einzigen Bundesliga-Spiel – ein Monolith aus Würfen und Willen, auf den selbst ein isländischer Jungstar noch blicken muss.
Der tag, als schröder die anzeigetafel zerlegte
6. Juni 2009, HSV Hamburg gegen Stralsunder HV, 43:16. Schröder lief auf, warf, traf – und wiederholte das Spiel 21 Mal. Kein Gegner, kein Torhüter, keine Taktik konnte ihn stoppen. Die Zuschauer im Alsterdorfer Sporthalle ahnten: Das ist keine normale Gala, das ist ein Kraftakt für die Archive. Seitdem haben Herbert Lübking (20) und Jerzy Klempel (19) sich herangetastet, aber keiner kam vorbei.
Kristjanssons 16 Treffer gegen Minden sind kein Kindergeburtstag – sie versetzen ihn direkt in ein Fahrwasser, das sonst nur Legenden befahren. Er landet auf Rang 18, gemeinsam mit anderen, die einmal einen Abend lang unaufhaltsam waren. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who des deutschen Handballs: Anders Eggert, Michael Kraus, Uwe Gensheimer – alle blieben bei 17 oder 18, alle schafften es nicht über Schröders Schatten.

Warum 21 treffer eine psychologische grenze sind
Trainer reden vom Flow, Statistiker vom Ausreißer. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Ab der 15. Parade fängt der Gegner an, doppelt zu decken, den Kreis zu verrammeln, die Uhr zu schinden. Torhüter wechseln, Abwehrsysteme rotieren, und trotzdem: Der Rechtsaußen fand Lücken, die keiner sah. Schröder selbst sagt später: „Ich habe nur geschossen, weil keiner stoppte.“ Bescheidenheit als Versiegelung der Leistung.
Kristjansson ist 22, Schröders Rekord steht seit 16 Jahren. Die Distanz klingt klein, fühlt sich auf dem Feld aber wie eine Schlucht an. Trainer Markus Baur wird ihm videoschneidend erklären, wie man sie überwindet – oder ob man es überhaupt muss. Denn Rekorde sind Irrlichter: Sie leuchten, bis das nächste Genie sie anzapft.
Die nächste Chance kommt am Samstag gegen Magdeburg. Kristjansson wird auflaufen, vielleicht trifft er wieder fünf, sechs, sieben Mal. Aber die 21? Die stehen noch. Und sie warten auf den Nächsten, der wagt, sie zu jagen.
