Wiencek schlägt zurück: thw kiel ist noch lange nicht tot

Patrick Wiencek ballt die Faust – und zwar gegen jene, die den THW Kiel bereits abgeschrieben haben. Der Ex-Kapitän glaubt fest an die Champions-League-Chance, obwohl seine alte Mannschaft nach den Pleiten gegen Gummersbach und Stuttgart nur noch als Außenseiter durchs Meisterrennen taumelt.

Die tabelle lügt nicht, aber sie lügt auch noch nichts vor

34:14 Punkte, Platz fünf, fünf Minuspunkte Rückstand auf Flensburg. Das klingt nach Vorsprung für die Konkurrenz. Doch Wiencek sieht die Lage nüchtern: „Es ist unglaublich eng. Mit Berlin, Flensburg, Lemgo, uns und Gummersbach liegen mehrere Teams innerhalb weniger Minuspunkte. Jedes Spiel zählt.“ Die Formel ist simpel: Wer am Samstag gegen Flensburg gewinnt, schnallt sich wieder oben fest. Wer verliert, rutscht vielleicht schon am Sonntag auf Platz sieben.

Der 35-Jährige kennt die Mechanik des Nordderbys aus 14 Jahren Kieler Provinz. „Als ich das erste Mal mitten drin stand, habe ich gedacht: Wow. Diese Intensität spürt man bei keinem anderen Bundesliga-Spiel so deutlich“, sagt er und zieht den Vergleich zum Fußball-Revierderby. Schalke gegen Dortmund – nur mit Handschellen statt Schienbeinschoner.

Chaos im parcours: drei plätze, vier bewerber, ein haken

Chaos im parcours: drei plätze, vier bewerber, ein haken

Die HBL sichert sich zwei Startplätze für die Königsklasse, ein dritter ist möglich, wenn der Bundesliga-Dritte in der europäischen Wertung vorne mitmischt. Der fiktive dritte Rang rückt näher, weil die European-League-Sieger künftig ebenfalls das ganz dicke Tor aufstoßen dürfen. Der THW steht bereits im Viertelfinale des zweitklassigen Wettbewerbs – und nutzt die EL als versteckte Quali für die Champions League. Dienstag ließ man Flensburg dafür schon einmal mit 36:29 vorneweg abschießen.

Doch Wiencek warnt: „Die Zeiten, in denen man fest mit der Champions League planen konnte, sind vorbei.“ Sprich: Selbst ein Finaleinzug in der European League garantiert nichts, wenn oben plötzlich vier deutsche Teams stehen. Die Mathematik wird zur Ramschpartie.

Der countdown beginnt im wohnzimmer der fans

Der countdown beginnt im wohnzimmer der fans

Am Samstag um 20 Uhr donnert die Sparkassen-Arena. Flensburg reist mit neun Punkten Vorsprung, aber mit der Angst, im Derby die eigene Souveränität zu verspielen. Kiel dagegen spielt plötzlich mit der Lockerheit des Verfolgers. „Unser Ziel ist klar: die Champions League“, betont Wiencek. Kein Wunsch, sondern ein Zwang – sonst droht dem Rekordmeister erstmals seit 2004 das Aus in der Gruppenphase.

Die Saison ist jung, die Nerven blank. Und Wiencek? Der sitzt vor der Glotze, schaltet sich selbst aus, die Mannschaft ein. Sein Kommentar: „Wenn wir gewinnen, ist alles wieder offen.“ Keine Rhetorik, sondern ein Fakt. Denn in der engen Meisterschaftstraube kann sich an einem einzigen März-Abend das ganze Bild verschieben – weg vom Schock, hin zur alten Macht.