Verona-coach sammarco zieht die daumen-schrauben an: sieg gegen genua oder saison-aus
Paolo Sammarco trat vor die Mikros und klang wie ein Mann, der endlich wieder Luft holt. „Wir arbeiten fürs Gewinnen“, sagte der Hellas-Coach, und die Worte rissen mit, als hätten sie 13 Spieltage lang in seiner Kehle gesteckt. Sonntag, 12.30 Uhr, Bentegodi: Genua kommt, und für Verona ist es kein Match, es ist ein Endspiel im März.
Neue harmonie, alte wunden
Die Serie nagt. Seit Wochen schon. Doch nach dem 0:0 in Bologna und dem 1:1 gegen Napoli schwappte etwas durchs Trainingszentrum in Dossobuono, was es seit Oktober nicht gab: Lautstärke in der Kabine, Bierdusche für den Torwart, Witze über den eingewechselten Bowie, der beim Warmmachen einen Juggling-Trick ausprobierte und prompt die Hälfte des Equipments traf. „Harmonie anders“, nannte Sammarco das. Ein Wort, das in Verona fast so klingt wie Meisterschaft.
Der Trainer weiß, dass Harmonien in der Serie A nur so lange halten, wie die Punkte stimmen. Genua hat 39 Zähler, Verona 20. Die Statistik ist ein Schlag ins Gesicht, und Schläge hat dieser Klub genug wegstecken müssen. Lirola kehrt zurück, der Rest der Lazarett-Truppe wartet noch eine Woche. Edmundsson und Bowie aber, die Winterzugänge, laufen schon jetzt wie frisch geölte Maschinen. „Frei von Schlacken“, sagte Sammarco und meinte damit die Seelen statt der Muskeln. Kein Ballast der Abstiegskampf-Tragödien vergangener Monate. Beide haben keine Ahnung, wie eng es zugeht unten in der Tabelle. Deshalb trauen sie sich Dinge zu. Und deshalb traut Sammarco ihnen jetzt den Plan zu.

Bowie und orban: das neue feuer
Gegen Bologna wechselte er sie gemeinsam ein, und plötzlich ruckelte das Mittelfeld nicht mehr. Orban als Kettenraucher mit Ball, Bowie als Sechser, der sich in den Strafraum träumt. „Sie verstehen sich blind“, sagte Sammarco. „Intelligent, beweglich, laufstark.“ Er nannte sie „Kämpfer mit Köpfchen“, und das ist in Verona seit Jahren die seltenste Mischung. Sarr steht bereit, Mosquera auch. Beide könnten von der Bank kommen und das Tempo noch einmal nach oben schrauben. Denn Genua wechselt fröhlich durch, Pinamonti, Retegui, Malinovskyi – wer weiß schon, wer oben steht, wenn der Ball rollt.
Der Gegner ist ein Chamäleon. 3-4-2-1, 4-2-3-1, mal drei, mal fünf Kette. Verona muss lesen, nicht reagieren. „Große Aufmerksamkeit“, fordert Sammarco. Er sagte es dreimal in zehn Sätzen. Einmal reicht nicht. Zweimal auch nicht. Beim dritten Mal klang es wie ein Gebetsvers.

Belghali und oyegoke: die joker im ärmel
Die Woche war hart. Doppelschichten, Videoanalyse bis 22.07 Uhr, danach noch 15 Minuten Einheit im Dunkeln, weil das Licht im Hallenbad ausging. Belghali schaffte sie trotzdem mit einem Grinsen. Knieprobleme vorbei, Sprintwerte laut GPS wieder auf Top-Niveau. „Einzigartig“, sagte Sammarco. „Technik plus Tempo, das hat keiner sonst.“ Oyegoke wartet auf seine Chance. Rechtsverteidiger mit Offensiv-Gen. Beide könnten starten, beide könnten raus. Sammarco entscheidet am Samstagabend. Oder Sonntagmorgen. Oder in der Kabine, wenn er sieht, wie Genua warm macht.
Die Rechnung ist einfach: Sieg, und der Abstand schrumpft auf fünf Punkte. Niederlage, und Verona rutscht auf Rang 18 zurück, weil Sassuolo am Sonntagabend nachlegt. Dann wäre die Harmonie nur ein Gast, der schon wieder gegangen ist.
Sammarco sammelt sich. Er schließt die Pressekonferenz mit einem Satz, der nicht in den offiziellen Transkripten steht: „Wenn wir das Spiel verlieren, können wir die Saison abschreiben. Aber wenn wir gewinnen, schreiben wir sie neu.“ Dann dreht er sich um und geht Richtung Platz. Die Sonne bricht durch die Tribünenüberdachung. Für einen Moment sieht Bentegodi aus wie ein Stadion, das noch an Wunder glaubt.
