Verona verzichtet auf athleten: freiwillige tragen fahnen – boykatt wirft schatten

Die Eröffnungsfeier der Paralympics in Verona wird am Freitag ohne Sportler stattfinden. Statt Nationalmannschaften schultern Freiwillige die Flaggen – eine Premiere, die das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mit Logistik und Politik begründet.

Wege zu lang, wettkämpfe zu nah

Die Wettkampforte Mailand, Cortina, Tesero und Verona liegen mehr als 200 Kilometer auseinander. Für Athleten, die am Samstagmorgen starten, wäre die Nacht nach der Zeremonie eine Zumutung. Österreich hatte deshalb schon angekündigt, sein Fahnen-Duo per Video einzuspielen. Das IPC zog die Reißleine und ersetzt alle Sportler durch Helfer – für „einheitliche Bilder“, wie es heißt.

Doch der wahre Knall kommt aus der Politik. Weil Russland und Belarus unter eigener Flagge starten dürfen, verzichten acht Länder komplett auf den Einmarsch. Die Ukraine initiierte den Boykott, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien folgten. Deutschland schwenkt nach: Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sagt ebenfalls ab – „aus Solidarität und zur Konzentration auf die Wettkämpfe“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Deutsche kehrtwende kurzfristig

Deutsche kehrtwende kurzfristig

Noch am Wochenende hatte der DBS eine Teilnahme in Erwägung gezogen, doch am Dienstag fiel der Vorstand um. Kein Athlet, kein Funktionär wird in der Arena stehen. Die Entscheidung fiel einstimmig. „Paralympische Werte sind nicht verhandelbar“, sagte Präsidentin Friedhelm Julius Beucher. Die Verbandsspitze will damit verhindern, dass deutsche Sportler zwischen Fronten geraten.

Für die Veranstalter wird die Zeremonie zum Balanceakt. 82 Delegationen sind gemeldet, doch mehr als ein Drittel wird nur durch Stellvertreter vertreten sein. Die Show wird trotzdem inszeniert – mit Licht, Musik und den bunten Fahnen, die nun Helfer schwenken, die nie einen Startplatz hatten.

Die Spiele beginnen, bevor die Fackel angezündet ist. Und schon jetzt steht fest: Die Medaillen werden in Italien vergeben, die Botschaften aber schon vorher geschrieben.