Vernon schockt godon im steilsprint – pidcock rückt heran

Was niemand erwartet hatte, passierte auf den letzten hundert Metern nach Camprodon: Ethan Vernon jagt dem Wind davon und dem Gelben Trikot weg. Der 24-Jährige aus Manchester riss sich im steilen Finale die erste WorldTour-Etappe seit seinem Debütjahr 2022 und versetzte Dorian Godon einen K.o., der so schmerzt wie ein Zahn ohne Betäubung.

Die Jury hatte die Passhöhe Vallter 2000 gestrichen, weil Böen mit über 80 km/h quer über die Pyrenäen peitschten. Statt 3 000 Höhenmeter blieben 1 800, statt 210 Kilometer nur 151 – und genau diese Kurzfassung passte wie ein Maßanzug zu Vernons Mix aus Sprint und Bergwaden. „Ich wusste, dass die Rampe fünf Prozent hat und ich noch einen Gang übrig“, sagte er atemlos, während sich Regentropfen auf seiner Sonnenbrille sammelten.

Godons sekunden fallen wie dominosteine

Godons sekunden fallen wie dominosteine

Godon fuhr zwar vor 48 Stunden souverän nach Banyoles in Gelb, doch die Zeitbonifikation von Pidcock – drei Sekunden für Platz drei plus einen Zwischensprint am Col de Coustouges – rissen ein Loch ins Klassement. Der Brite liegt jetzt 13 Sekunden hinter dem Franzosen, Evenepoel rutscht auf Rang drei, 18 Sekunden zurück. Die Logik des Teams Ineos klingt bereits wie ein Endspiel: „Wir müssen morgen angreifen, bevor die Rhöne-Ebene kommt“, sagte Sportdirektor Matteo Tosatto.

Die verkürzte Etappe hatte noch einen Nebeneffekt: Die Favoriten mussten früher positionieren, wodurch sich das Feld auf 28 Fahrer zog. Im Windschatten der Landesstraßen 260 formierte sich eine Jagdgruppe mit Almeida, López und Skjelmose – doch als Vernon 250 Meter vor dem Ziel das Radio abwarf und aus dem Sattel sprang, war die Entscheidung längst gefallen.

Pidcock lobte hinterher die Cleverness seines Landsmanns: „Ethan hat die Lücke gesehen, bevor sie überhaupt da war.“ Und Godon? Der schob die Kappe ins Gesicht und murmelte etwas von „Torhüter-Pech“. Aber Pech reimt sich auf Schach – und im Radsport ist der Entschluss oft schon nach der ersten Zugabe gefallen.

Morgen warten 178 Kilometer mit dem Alto de Montserrat, dann kommt die flache Etappe nach Tarragona. Wer bis dahin nicht attackiert, darf im Mittelmeerwind die Reste seiner Hoffnung vergraben. Vernon jedenfalls flog mit einem breiten Grinsen in die Anti-Doping-Kontrolle – und trägt nun das Bergtrikot, das er sich erst gestern noch ausgeliehen hatte.